Starkes soziales Gewissen

CSU-Fraktionsvize, Staatssekretärin, Ministerin, stellvertretende Parteivorsitzende, Landtagspräsidentin: Barbara Stamm wird 70 und kann auf eine bewegte politische Karriere zurückblicken. Dabei gab es auch einen schmerzhaften Einschnitt.

Barbara Stamm ist stürmische Zeiten gewöhnt, vor allem beruflich. Doch dass es in ihrem Amt als bayerische Landtagspräsidentin einmal derart stürmisch werden würde wie in der vergangenen Legislaturperiode, das hätte sich die CSU-Politikerin wohl nicht unbedingt gedacht. Die sogenannte Abgeordnetenaffäre kostete Stamm viel Zeit und viele Nerven. Heute wird die Unterfränkin, die nebenbei auch CSU-Vize ist, 70 Jahre alt.

Oft angegriffen

Im April 2013 hatte die Affäre um die zweifelhafte Beschäftigung von Familienmitgliedern durch Abgeordnete ihren Lauf genommen. Über Monate hinweg kamen immer neue, unschöne Details ans Licht. Mehrere CSU- und ein SPD-Politiker mussten ihre Ämter abgeben. Und immer mittendrin, qua Amt sozusagen als Chefaufklärerin: Barbara Stamm. Allerdings machte sie als Krisenmanagerin nicht immer eine gute Figur, sie musste immer wieder Kritik einstecken. "Da war ich auch menschlich sehr gefordert. Ich konnte es ja niemandem recht machen." Die Kritik, die es gab, die habe sie hinnehmen müssen. "Davor ist man in der Politik nie gefeit." Stamm kann auf eine bewegte politische Karriere zurückblicken - mit Höhen und Tiefen. "Ich habe so vieles erreicht, was ich nie gedacht hätte", sagt sie. "Dafür bin ich dankbar, denn das stand ja nicht in meiner Geburtsurkunde drin."

Seit 1976 sitzt Stamm für die CSU im Landtag. In den 1980er Jahren stieg sie die Karriereleiter empor, wurde stellvertretende Fraktionschefin und Staatssekretärin. 1994 machte der damalige Ministerpräsident Edmund Stoiber sie zur Sozialministerin. Diese Amtszeit ging 2001 im Sturm der BSE-Krise zu Ende: Stoiber setzte sie wieder vor die Kabinettstür. Stamm war tief verletzt und fühlte sich als Bauernopfer - nach Ansicht vieler ihrer Kollegen in der CSU-Fraktion zurecht.

Sie sagt, was sie will

Doch Hinterbänklerin wurde sie auch danach nicht. Sie blieb - wie durchgehend seit 1993 - stellvertretende Vorsitzende der CSU. "Soziales Gewissen der CSU" - das ist eine der Umschreibungen für die Unterfränkin. Auf den Parteitagen erzielte sie zuletzt stets das Top-Ergebnis aller Vizes. 2008 wurde sie erstmals zur Landtagspräsidentin gewählt - nachdem sie zuvor eine schwere Krebserkrankung hatte durchstehen müssen. Stamm sagt und tut, was sie will und was sie für richtig hält, und lässt sich nur ungern dreinreden. Zuletzt lehnte sie es beispielsweise ab, Regierungschef Horst Seehofer (CSU) die Meinung zu sagen, weil der sich abfällig über die Debatten im Landtag geäußert hatte. Die Opposition hatte deshalb einen offenen Brief an Stamm geschrieben. Die entgegnete knapp, sie nehme keine Aufträge über offene Briefe entgegen.

Wenn Stamm Sitzungen leitet, dann tut sie das mit harter Hand: Lautes Palaver oder allzu derbe Zwischenrufe kann sie nicht ausstehen. "Wir werden ja beobachtet - und müssen mit gutem Beispiel vorangehen", sagt sie - und will in den kommenden Jahren auch weiter dafür kämpfen.
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