Steinmeier erwartet "dramatische" Tage

Von München nach Dortmund: Seit Freitag setzt die Bahn Sonderzüge Richtung Ruhrgebiet ein, um die Landeshauptstadt zu entlasten. Bild: dpa

Die Lage an den Grenzen der EU-Staaten wird immer chaotischer. Deutschland erwartet für die nächsten Tage die Ankunft von 40 000 neuen Flüchtlingen - doppelt so viele wie voriges Wochenende. Die CSU verschärft ihre Kritik an der Flüchtlingspolitik der Kanzlerin.

Die Bundesregierung rechnet an diesem Wochenende mit Zehntausenden neuen Flüchtlingen. "Ich habe gerade die letzten dramatischen Zahlen bekommen: Wir erwarten allein für die nächsten zwei Tage, am Wochenende, circa 40 000 Flüchtlinge aus den südlichen und südöstlichen Nachbarländern", sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) am Freitag in Prag.

Die CSU ging weiter auf Konfrontationskurs zu Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Parteichef Horst Seehofer attackierte Merkels Flüchtlingspolitik scharf. "Das war ein Fehler, der uns noch lange beschäftigen wird. Ich sehe keine Möglichkeit, den Stöpsel wieder auf die Flasche zu kriegen", sagte er dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Deutschland komme bald in "eine nicht mehr zu beherrschende Notlage". Steinmeier sagte in Prag: "Es handelt sich um die wahrscheinlich größte Herausforderung für die Europäische Union in ihrer Geschichte. Wir sind hier auf europäische Solidarität angewiesen."

Krisenstab in Passau

Allein am Freitag wurden in München bis Mitternacht 10 000 Menschen erwartet, wie die Regierung von Oberbayern mitteilte. Damit stieg die Zahl der Asylsuchenden seit dem vergangenen Wochenende auf rund 50 000. Neben München erreichen immer mehr Flüchtlinge den Hauptbahnhof Passau. Die Stadt hat einen Krisenstab eingerichtet. Allein am Donnerstag waren nach Angaben der Bundespolizei etwa 700 Flüchtlinge dort angekommen, weil ihre Züge aus Österreich nach Passau umgeleitet werden.

Bayerns Sozialministerin Emilia Müller (CSU) rief in München auch private Vermieter zur Unterbringung von Asylbewerbern auf: "Über 17 000 anerkannte Asylbewerber in Bayern könnten sofort aus unseren Unterkünften ausziehen. Sie finden jedoch keinen Wohnraum. Viele Vermieter wissen gar nicht, dass anerkannte Asylbewerber nicht in Gemeinschaftsunterkünften wohnen müssen."
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