Sterbender Schwan

Vor dem Start ist noch alles in bester Ordnung. Wenig später explodierte der Raumfrachter (siehe zweites Bild). Bild: dpa
 
Sekunden nach dem Start ist die Rakete mit rund 2,3 Tonnen Nachschub für die Internationale Raumstation ISS explodiert. Bild: dpa

Rückschlag für die USA: Der Raumfrachter "Cygnus" explodierte beim Start. Er sollte Nachschub zur Raumstation ISS bringen, darunter auch Lebensmittel für den Deutschen Alexander Gerst.

Eine Rakete mit rund 2,3 Tonnen Nachschub für die Internationale Raumstation ISS ist wenige Sekunden nach dem Start in den USA explodiert. Der Raumfahrtbehörde Nasa zufolge gab es beim Unfall der "Cygnus" (Schwan) keine Opfer. Der Schaden für die US-Raumfahrt gilt als enorm.

Erfolg dagegen für Moskau: Nur wenige Stunden nach dem Unglück hob vom Kosmodrom in Baikonur (Kasachstan) am Mittwoch planmäßig ein russischer Versorgungstransporter für die ISS ab. Derzeit arbeiten drei Russen, zwei US-Amerikaner und der Deutsche Alexander Gerst auf dem Außenposten der Menschheit in rund 400 Kilometern Höhe.

Explosion kurz nach Start

Die private amerikanische Antares-Rakete mit dem Frachter "Cygnus" war am Dienstagabend pünktlich um 18.22 Ortszeit (23.22 MEZ) vom Weltraumbahnhof Wallops an der US-Ostküste gestartet. Sekunden später stürzte sie in einem riesigen Feuerball zur Erde. Flammen umhüllten die Startplattform, brennende Trümmer flogen in alle Richtungen.

Die Ursache der Explosion war zunächst unklar. Offensichtlich seien Treibstofftanks detoniert. "Es ist noch viel zu früh, um genau zu wissen, was passiert ist", sagte der frühere Nasa-Astronaut Frank Culbertson, der jetzt Vizepräsident der US-Privatfirma Orbital Sciences ist.

Die von Orbital Sciences entwickelte "Cygnus" sollte rund 2300 Kilogramm Lebensmittel und Forschungsmaterial zur ISS bringen. Nach Nasa-Angaben waren keine dringend notwendigen Güter an Bord. "Die Mannschaft ist in keiner Gefahr", sagte William Gerstenmaier, Chef für bemannte Raumfahrt.

Russland, Partner der USA beim ISS-Programm, bot Hilfe an. Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos könnte einen zusätzlichen Versorgungsflug übernehmen, sagte Alexej Krasnow von Roskosmos.

Befehl zur Zerstörung

Dem Ex-Astronauten Culbertson zufolge war bei dem Unglück nach einer ersten Explosion der Befehl zur völligen Zerstörung des Fluggeräts gegeben worden. Damit soll etwa verhindert werden, dass Raketenteile auf bewohntem Gebiet einschlagen. Die Rakete und der Transporter, die umgerechnet mehr als 157 Millionen Euro kosteten, seien verloren.

Raumfahrtexperte Igor Marinin sagte, möglicherweise hätten technische Änderungen am Triebwerk den Unfall verursacht. Für die Antares-Rakete hätten die USA das ursprünglich sowjetische Triebwerk NK-33 modifiziert und als Modell AJ-26 verwendet. Die Änderungen hätten die Rakete wohl instabil gemacht.

"Wir sind sehr enttäuscht", sagte Gerstenmaier. Das Unglück zeige, "dass Raumfahrt ein harter Job ist", der nicht ohne Gefahren sei. Culbertson fügte hinzu: "Wir werden herausfinden, was schiefgegangen ist, wir werden es beheben, und wir werden wieder fliegen." "Cygnus" ist ein Frachter, der nicht wiederverwendet wird. Auf dem Rückweg von der ISS befördert er Müll und verglüht beim Wiedereintritt in die Atmosphäre.
Weitere Beiträge zu den Themen: Weltgeschehen (20753)Oktober 2014 (9311)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.