Stieftochter "wie Abfall entsorgt"

Jahrelang hatte ihr Stiefvater sie missbraucht. Madeleine floh in ein Mutter-Kind-Haus. Doch dann ließ die 23-Jährige sich zu einem Treffen mit ihrem Peiniger locken. Kurz darauf war die junge Frau tot.

Kaum ist das Urteil gesprochen, lässt sich Günther O. mürrisch in seinen Stuhl fallen. Lebenslange Haft wegen Mordes an seiner Stieftochter Madeleine - der 47-Jährige scheint innerlich zu kochen. Immer wieder schüttelt er den Kopf und kommentiert die Ausführungen des Richters: "Ich kann das Gelaber nicht mehr hören." Mehrfach sieht es so aus, als ob er aufstehen und gehen will, dann fläzt er sich aber doch wieder in seinem Stuhl.

"Er ist ein Psychopath, der Madeleine wie sein Eigentum betrachtet hat", sagt Richter Andreas Labentz in der Urteilsbegründung. "Ihren Körper hat er wie Gartenabfall entsorgt." Der gefesselte und geschundene Leichnam der 23-Jährigen war unter mehreren Schichten Erde und Beton im Essener Schrebergarten des 47-Jährigen gefunden worden. Auf dem Grab wuchsen frische Pflanzen.

Gemeinsame Tochter

Auslöser der Tat ist ein unfassbares Familiendrama. Günther O. hat Madeleine jahrelang sexuell missbraucht. Er ist auch der Vater ihrer inzwischen dreijährigen Tochter. Doch das hat viele Jahre lang niemand gewusst. "Uns wurde immer erzählt, dass das Kind aus einem One-Night-Stand stammt", sagt ein 29-jähriger Bekannter des Angeklagten am Rande des Prozesses. "Er war aber immer sehr lieb zu dem Kind."

Madeleine war im August 2012 aus der elterlichen Wohnung geflohen. Sie tauchte in einer Mutter-Kind-Einrichtung unter, zeigte Günther O. wegen sexuellen Missbrauchs an. Von diesem Tag an hatte ihr Stiefvater alles darangesetzt, sie aufzuspüren.

"Er wollte sich an Madeleine rächen", sagt Oberstaatsanwältin Birgit Jürgens in ihrem Plädoyer. Er sei es gewohnt gewesen, dass Madeleine ihm gehöre und gehorche. Einmal soll er auch diese Sätze gesagt haben: "Ich werde Madeleine schon finden. Sie wird irgendwann unter der Erde liegen. Ich werde dann darauf rumtrampeln und sagen: ,Madeleine, jetzt bist du ruhig.'" Schließlich nahm sein Sohn Kontakt zu seiner Halbschwester Madeleine auf und lockte sie am 11. Februar 2014 mit falschen Versprechen zu einem Treffen.

Sohn als Mittäter verurteilt

Dort wartete schon ihr Stiefvater und fuhr mit ihr in den Schrebergarten. Der 22-Jährige wird als Mittäter vom Essener Schwurgericht zu vier Jahren Haft wegen Freiheitsberaubung verurteilt. Günther O. hatte die Tötung seiner Stieftochter zwar gestanden, aber als tragische Eskalation dargestellt. Es sei nur eine Aussprache geplant gewesen. Doch dann sei es zu einem heftigen Streit gekommen, und er habe Madeleine eine volle Wodkaflasche an den Kopf geworfen. Danach sei sie sofort tot gewesen.

Fakt nach dem rechtsmedizinischen Gutachten ist allerdings: Die 23-Jährige ist erstickt worden.
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