Stimmung in den Gemeinden getrübt
Abgesang auf Bank-Filialen

Die Nahversorgung in Freudenberg steht am Scheideweg: Neben der Schließung der Sparkassen-Filiale (rechts) droht in den Häusern links daneben das Aus von Metzger-Theke, Lebensmittelmarkt und Poststelle. Bild: upl
Amberg-Sulzbach.(upl) Die Stimmung ist getrübt in den Gemeinden, in denen die Sparkasse ihre Filialen schließt. In den Rathäusern herrscht eine Mischung aus Wut und dem Gefühl der Ohnmacht. Zwischendrin gibt es kleine Hoffnungsschimmer.

Zwar haben auch die Kunden in der Gemeinde Freihung den Brief erhalten, in dem der Sparkassen-Vorstand die Filialschließungen erklärt. Dass er aber mit den Worten beginnt: "Wir freuen uns, gemeinsam mit Ihnen in eine neue Zukunft aufzubrechen", kommt bei den Betroffenen gar nicht gut an. "Die Leute fühlen sich im Stich gelassen", fasst Bürgermeister Norbert Bücherl die Reaktionen in der Bevölkerung zusammen.

Resolution im Gemeinderat

Am Dienstagabend stand das Thema Sparkassen-Filiale auf der Tagesordnung des Gemeinderates. Das Gremium sollte eine Resolution gegen die Pläne der Bank verfassen. "Die Sparkasse hat einen gesetzlichen Auftrag, auch den ländlichen Raum zu versorgen", klagt Bücherl. "Die geben genug Geld in den Städten aus, da müsste es auch noch für einen Bankautomaten in einer Landgemeinde reichen." Genau dieser soll in Freihung abgebaut werden. Die Kunden sollen sich ihr Geld in einem Lebensmittelmarkt auszahlen lassen.

Auch im Poppenrichter Rathaus ist man mit der Ausdünnung des Filialnetzes alles andere als glücklich. "Es sind vor allem die Senioren, die jetzt Probleme bekommen", erklärt 2. Bürgermeister Hermann Böhm. "Die Sparkasse ist gerade dabei, ihren Sonderstatus, den sie seit ihrer Gründung genoss, zu verspielen." Sie habe sich bisher durch Kundennähe wohltuend von den großen Konkurrenten auf dem Markt abgehoben, sei als "Bank des kleinen Mannes auf dem Land" wahrgenommen worden. "Jetzt kann ich keinen Unterschied mehr zu irgendeiner Internetbank erkennen", sagt Böhm, der auch von der 24-Stunden-Hotline nichts hält. Der Bürgermeister hat Sparkassenvorstand Dieter Meier zur nächsten Gemeinderatssitzung eingeladen, die Strategie seines Unternehmens zu erklären.

Die Gemeinde Edelsfeld ist auch als Immobilienbesitzer betroffen. Die Sparkasse verabschiedet sich mit dem Rückzug aus dem Ort als Rathaus-Mieter. Bürgermeister Hans-Jürgen Strehl hat wenig Hoffnung, durch Proteste ein Umdenken herbeiführen zu können. Auch wenn er glaubt, dass es sich die Sparkasse leisten könnte, die Standorte zu erhalten. "Meiner Meinung nach kann es nicht Ziel einer regional verwurzelten Bank sein, den Gewinn nach oben zu treiben. Wichtigeres Ziel wäre, eine flächendeckende Versorgung zu gewährleisten." Strehl bringt auch einen neuen Ansatz ins Spiel: Die Kooperation von Genossenschaftsbanken und Sparkassen, wenn es um die Nutzung der Geldautomaten geht.

Vierfach betroffen

Freudenberg trifft die Entscheidung der Sparkassen-Führung besonders hart. Denn in den nächsten Monaten drohen in mehreren Geschäften entlang der Hauptstraße die Lichter auszugehen. Neben der Sparkasse schließt zum Jahreswechsel auch der benachbarte Edeka-Laden. Mit ihm die Post und die Lottoannahmestelle. Die Metzgerei Dotzler will ihren Theken-Verkauf einstellen, und auch die Zukunft des Gasthauses Freudenberger Hof ist offen. "Das ist natürlich eine alarmierende Entwicklung", sagt Bürgermeister Alwin Märkl. Er verweist darauf, dass im Hintergrund zahlreiche Gespräche geführt würden. "Ich weiß, dass mehrere Lösungsvarianten im Raum stehen. Jetzt kommt es halt auf die Verhandlungen der beteiligten Geschäftsleute an." Eventuell sei es auch möglich, die Bargeldversorgung über einen Laden zu sichern. "Ich wäre heilfroh, wenn's klappt."

Märkl räumt einer politischen Intervention über Landrat und Kreistag aber wenig Chancen ein. "Ich kann nur mit Engelszungen reden und um eine Lösung werben", sagt der Rathauschef, der aber auch die Bürger in die Pflicht nimmt. Wenn es ein neues Angebot im Ort geben sollte, müssten es die Kunden auch annehmen.
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