Strahlemann mit Standpunkt

Ich bin nicht nur nett, sondern auch Dogmatikprofessor.

Freundlich und offen stellte sich Bischof Stefan Oster am Donnerstagabend im Regensburger Presseclub allen kritischen Fragen. Wer von dem 49-Jährigen, seit Mai Passauer Oberhirte, kirchenreformatorische Signale erwartete, wurde aber enttäuscht.

Noch immer überwältigt ist Oster von der Euphorie und dem Wohlwollen, das seine Ernennung zum Bischof begleitete. Ein junger Kirchenmann vom Orden der Salesianer, der in seiner Freizeit jongliert und Fußball spielt: Das verzückte nicht nur viele Menschen im Bistum Passau, sondern auch deutschlandweit die Medien.

Bei den vielen Interviews, die Oster in den vergangenen Monaten gab, half ihm freilich, dass er sozusagen vom Fach ist: Bevor er Priester wurde, ließ sich der gebürtige Amberger beim "Straubinger Tagblatt" sowie bei "Radio Charivari" zum Zeitungs- und Hörfunkredakteur ausbilden.

Seine journalistischen Kenntnisse würden ihm auch heute bei der Verkündigung des Evangeliums helfen, erzählte Oster. "Es hängt viel von der Art und Weise ab, wie man etwas moderiert." In der Tat weiß der Bischof, wie man Menschen erreicht: Wenn er Predigten auf seine Facebook-Seite stellt, klicken zuweilen Tausende von Menschen darauf. Bei aller Aufgeschlossenheit gegenüber den neuen Medien und seiner gelebten Modernität wollte Oster als Bischof aber auch bald klarstellen: "Ich bin nicht nur nett, sondern auch Dogmatikprofessor."

Konservativer als erwartet

Er wolle nicht zu einer Ikone stilisiert werden und schon gar nicht von vermeintlichen Lagern in der Kirche vereinnahmt werden, erklärte der unkonventionelle Kirchenmann, der zuletzt damit Schlagzeilen machte, dass er zusammen mit zwei alten Freunden und einer Ordensschwester eine WG gründete.

Deshalb habe er früh auch zu brisanten und schwer vermittelbaren Kirchenthemen Stellung bezogen. Und dabei kam heraus, dass Oster in vielen Fragen eine konservativere Haltung einnimmt, als es sich der eine oder andere Katholik vielleicht gewünscht hätte. So zeigte er sich im voll besetzten Presseclub als leidenschaftlicher Verfechter des Zölibats.

Oster dämpfte die Erwartungen an die Familiensynode im Vatikan, verteidigte die Haltung der Kirche gegenüber wiederverheirateten Geschiedenen. Aus der Bibel gehe grundsätzlich hervor, dass "wenn ein Mann eine Frau aus der Ehe entlässt, oder umgekehrt, er nicht mehr heiraten soll", sagte Oster.

Arbeitsrecht ändern

Gleichzeitig räumte er ein, dass es im kirchlichen Arbeitsrecht Änderungsbedarf gibt. "Wenn in meinem Bistum eine Kindergartenleiterin geschieden ist und wieder heiratet, dann schmeißen wir sie nicht einfach raus." Es gebe keinen Automatismus. Zudem könnten einige Bistümer in Deutschland gar nicht mehr alle Stellen in kirchlichen Einrichtungen mit katholischen Fachkräften besetzen. "Wir müssen auch unterscheiden, wie verkündigungsnah der jeweilige Beruf ist."

Besorgt blickt Oster auf die immer dünner werdende Personaldecke bei den Priestern. Derzeit würden die Lücken noch mit indischen Priestern geschlossen, die Zukunft sei unklar. Gleichzeitig geht der Kirchenbesuch dramatisch zurück. Das Mittel dagegen? "Wir brauchen Lehrer des Gebets, echte Evangelisierer", meinte Oster. Die Menschen müssten Gott spüren, eine persönliche Begegnung mit Christus erfahren. "Wo das passiert, wächst die Kirche."
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