Streit um B303 im Fichtelgebirge: Bürgerinitiative kritisiert Ausbau Richtung Grenze
"Autobahn durch Hintertür"

Rund eine Milliarde Euro sind nach dem Fall des Eisernen Vorhangs in Straßenprojekte geflossen, die Bayern und Tschechien miteinander verbinden. Auch der Ausbau der Bundesstraße 303 durchs Fichtelgebirge soll den Grenzverkehr vereinfachen - doch es regt sich Widerstand.

Offiziell ist die Autobahn durch das Fichtelgebirge kein Thema mehr. Dafür soll die Bundesstraße 303 in Richtung Tschechien ausgebaut werden. Das kritisiert nun eine Bürgerinitiative. Das Verkehrsaufkommen sei dafür viel zu gering, sagte Sprecher Christoph Bochinger. Trotzdem habe der Freistaat die B 303 auf dem Gebiet des Landkreises Wunsiedel für den Bundesverkehrswegeplan 2015 bis 2030 vorgeschlagen.

Das Verkehrsministerium in München verweist auf die grenzübergreifende Bedeutung des Straßenabschnitts: Der Streckenzug verbinde als Europastraße 48 das tschechische Karlsbad mit der Autobahn 93 in Deutschland. Von Karlsbad bis Egersei die Route vierspurig ausgebaut, von Eger bis zur Grenze sei die Trasse für einen Ausbau vorbereitet. "Aus netzkonzeptionellen Gründen ist es erforderlich, für die wachsenden Wirtschaftsbeziehungen zwischen Nordostbayern und Tschechien einen einheitlichen, grenzüberschreitenden Ausbaustandard zu gewährleisten", sagt eine Sprecherin.

Punktueller Ausbau

Pläne, die B 303 auch auf dem Gebiet des Landkreises Bayreuth massiv auszubauen, sind vom Tisch. Stattdessen schwebt dem Ministerium ein punktueller Ausbau vor, etwa durch Schaffung sicherer Überholmöglichkeiten. Zuvor war bereits jahrelang als Verbindung zwischen A 9 und A 93 in Nordbayern eine Autobahn durch das Fichtelgebirge geplant worden. Anfang 2009 jedoch kam das Aus für die sogenannte Fichtelgebirgsautobahn. Dennoch sprechen die Gegner der Ausbaupläne jetzt von einer "Autobahn durch die Hintertür": Würden nämlich die Ausbaupläne im Landkreis Wunsiedel verwirklicht, zöge dies Lastwagen an, die die Autobahnmaut umgehen wollen. Und dann wiederum hätte die Politik gute Argumente, auch weitere Teile der B303 auszubauen.

5000 Fahrzeuge befahren laut Bochinger täglich die Straße beim Grenzübergang Schirnding. Das sei Kreisstraßen-Niveau. "Normalerweise plant man Ausbauten zweispuriger Bundesstraßen erst ab 15 000 bis 20 000 Fahrzeugen täglich". Auch der Anteil des Schwerlastverkehrs sei bereits stark zurückgegangen, weil inzwischen die A6 von Nürnberg bis Prag durchgängig ausgebaut sei und eine Reihe weiterer Grenzübergänge zur Verfügung stünden. Und: "Wegen der hochsensiblen ökologischen Situation im Fichtelgebirge würde der Ausbau extrem teuer."
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