Stromtrassen: Aufschub für Seehofer bis 2015

Die geplanten neuen Höchstspannungsleitungen durch Deutschland lösen in betroffenen Regionen wütende Proteste aus. Entlang der Trassen haben sich Bürgerinitiativen gebildet, die Druck auf die Politik machen. Archivbild: dpa

CSU-Chef Horst Seehofer hat Ängste der Bürger vor "Monstertrassen" aufgegriffen. Doch die Wirtschaft pocht auf eine verlässliche Energieversorgung in Bayern. Nach einem Treffen mit Vizekanzler Sigmar Gabriel bekommt er eine Frist für eine Entscheidung.

Seehofer hat für seine Entscheidung über zwei Haupt-Stromtrassen der Energiewende bis Anfang kommenden Jahres Zeit. "Die bayerische Staatsregierung hat uns gesagt, dass sie etwa im Januar mit ihrem Dialogprozess fertig sein will", sagte Bundeswirtschaftsminister Gabriel (SPD) am Donnerstag nach einem Treffen mit Seehofer und Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (beide CSU) in Berlin.

Parallel zu dieser Konsultation der Bürger würden derzeit die Planungen dahingehend überprüft, ob alle Trassen im geplanten Umfang notwendig sind. Der Ministerpräsident hat Bedenken gegen den 800 Kilometer langen "SuedLink" von Norddeutschland nach Unterfranken und gegen die rund 450 Kilometer lange Süd-Ost-Trasse von Sachsen-Anhalt nach Meitingen bei Augsburg geltend gemacht. Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) war zufrieden: "Ich bewerte das sehr positiv. Das war ein konstruktives Gespräch", sagte sie nach dem Treffen. Die Staatsregierung will nun ihren Dialog starten, die Bundesregierung wiederum ein geplantes Grünbuch zu den "Kapazitätsmärkten" in Angriff nehmen - der Frage, ob es Subventionen für Gaskraftwerke geben soll, die Ersatz für Atomstrom liefern könnten. "Dann werden wir die beiden Erkenntnisse zusammenführen", sagte Aigner. Streit mit der Bundesregierung will die Staatsregierung vermeiden: "Wir wollen gemeinsam die wirklich schwierige Energiewende meistern", betonte die Ministerin. Seehofer will nun noch einmal nachgewiesen haben, ob die Trassen wirklich gebraucht werden. Eine Option könnte ein anderer Verlauf sein, aber womöglich auch der Verzicht auf eine komplette Trasse.

"Irrweg von Seehofer"

Die Grünen kritisierten Seehofer wegen dessen Blockade. "Gabriel muss diesem Irrweg von Seehofer endlich ein Ende bereiten", sagte der stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion, Oliver Krischer. Er bezog dies vor allem auf die Blockade des "SuedLink"-Projektes. Die Trasse soll Windstrom von der Küste in den Süden bringen und gilt als "Hauptschlagader" der Energiewende.

Unterstützung erhielt Seehofer von ungewohnter Seite: "Die Pläne für die Nord-Süd-Stromtrassen ergeben für die Energiewende so keinen Sinn", erklärte die energiepolitische Sprecherin der Linken-Fraktion im Bundestag, Eva Bulling-Schröter. Der von Gabriel vorangetriebene Netzausbau sei überdimensioniert und werde auch den Abtransport von schmutzigem Braunkohlestrom nach Süddeutschland unterstützen. (Kommentar und Seite 3)
Weitere Beiträge zu den Themen: Weltgeschehen (20753)Oktober 2014 (9311)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.