Stromtrassen nötig

Die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft ist mit ihrer Geduld am Ende. In wenigen Monaten müsse endlich das Energiekonzept stehen. Ohne Stromtrassen geht es nicht, meinen die Unternehmer.

Zur langfristigen Sicherstellung der Stromversorgung im Freistaat hält die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (VBW) den Bau neuer Stromtrassen für nötig. "Wir gehen nach bisherigen Erkenntnissen davon aus, dass man einen Stromtrassenausbau braucht", sagte VBW-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt bei der Vorlage des dritten VBW-Energiewende-Monitorings. Man lasse sich im Rahmen des laufenden Energie-Dialogs aber gerne davon überzeugen, dass es auch ohne neue Trassen gehe. Dafür müsse die Politik aber andere Rahmenbedingungen setzen, so Brossardt.

Keine Verbesserungen

In dem von der Prognos AG für die VBW erstellen Energiewende-Monitoring heißt es, dass im vergangenen Jahr bei den wichtigsten Parametern - nämlich Versorgungssicherheit, bezahlbare Strompreise, Energieeffizienz und Umweltverträglichkeit - keine Fortschritte erzielt worden seien. "Es gibt in keinem Punkt Verbesserungen - das ist nicht das, was man sich von einer Energiewende erwartet", erklärte Prognos-Direktor Michael Schlesinger.

Bis einschließlich 2017 sei die Stromversorgung in Bayern gesichert, ab dann aber gebe es ohne politische Entscheidungen eine Stromlücke von bis zu einem Drittel der Jahreshöchstlast. Zur Debatte um neue Stromtrassen sagte Schlesinger, nach dem gegenwärtigen Strommarktdesign seien diese "wohl notwendig". Aufgrund von Trassenengpässen müssten die Netzbetreiber immer öfter zur Stabilisierung der Stromnetze eingreifen. So würden in Norddeutschland häufig Kraftwerke vom Netz genommen, weil die dort erzeugte Windstrom-Menge nicht in Richtung Süden abtransportiert werden könne.

VBW-Präsident Alfred Gaffal setzte der Politik eine letzte Frist für die Vorlage eines Gesamtkonzepts für die Energiewende. "Bis Anfang 2015 brauchen wir endlich einen Masterplan, damit Deutschland und Bayern auch nach 2022 eine sichere, bezahlbare und stabile Stromversorgung haben", so Gaffal. Die Zeit dränge. Ohne konkrete Beschlüsse sei der Hightech-Standort Bayern bei der Stromversorgung von Hilfsinstrumenten abhängig. Die Stromversorgung sei "auf Kante genäht".

Völlig neues Konzept

Der Bund Naturschutz (BN) hat derweil ein völlig neues Energiekonzept für Deutschland gefordert, das vor allem auf regionaler und dezentraler Stromversorgung basiere. Damit könne der Trassenausbau deutlich reduziert werden. Die 10H-Regel für Windräder in Bayern müsse wieder abgeschafft werden, weil sie den Ausbau der Windkraft behindere, so BN-Landeschef Hubert Weiger. Der von der Staatsregierung favorisierte Neubau von Gaskraftwerken sei keine Lösung, weil sich damit die Klimaschutzziele nicht erreichen ließen. Weiger verlangte eine bessere Förderung von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen und verstärkte Anstrengungen beim Stromsparen.
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