Stundenlange Schlacht in Asylunterkunft in Suhl

Ein zerstörtes Büro in der Flüchtlingsunterkunft in Suhl: Bei dem Gewaltausbruch wurden 17 Asylbewerber und sechs Polizisten verletzt. Bild: dpa

Eine angebliche Schändung des Koran löst in einem überfüllten Flüchtlingsheim im thüringischen Suhl stundenlange, religiös motivierte Handgreiflichkeiten aus. Die Politik ist ratlos.

Religiöse Konflikte in einem Flüchtlingsheim in Suhl haben Ausschreitungen mit mindestens 17 Verletzten ausgelöst. Thüringens Migrationsminister Dieter Lauinger (Grüne) sprach am Donnerstag von versuchter Lynchjustiz, nachdem ein 25-Jähriger mehrere Seiten aus dem Koran gerissen und demonstrativ in eine Toilette geworfen haben soll. Verletzt wurden laut Innenministerium auch sechs Polizisten.

120 Polizisten sowie Sanitäter und Feuerwehrleute waren im Einsatz, um den Gewaltausbruch, bei dem Eisenstangen, Steine, Betonklötze und Möbel flogen, unter Kontrolle zu bringen. Mehrere Polizeiautos sowie Einrichtungen des Heims wurden stark beschädigt. Eskaliert war die Situation am Mittwochabend, tags darauf beruhigte sich die Lage dann wieder. In der Erstaufnahmeeinrichtung sind statt der maximal vorgesehenen 1200 derzeit 1800 Flüchtlinge untergebracht.

Laut Lauinger wurde der aus Afghanistan stammende Heimbewohner von anderen Flüchtlingen angegriffen, darunter waren mehrere Syrer. Er konnte sich den Angaben zufolge in ein Büro des Wachdienstes retten, das zeitweise von bis zu 100 Gewalttätern belagert wurde. Am Donnerstagabend haben nach Polizeiangaben etwa 600 Menschen gegen die Unterkunft demonstriert. Die Anmeldung zu der Kundgebung sei aus der rechten Szene gekommen, sagte ein Polizeisprecher.

Deutschland kann nach Ansicht von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) auf lange Sicht keine 800 000 Asylbewerber pro Jahr verkraften. Er sieht andere EU-Staaten in der Pflicht, in der Flüchtlingspolitik mehr zu tun. Andernfalls müsse die Reisefreiheit in der EU eingeschränkt werden. Die neue Asylprognose treibt die Kosten für die Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge nach oben: Nach Schätzung des Deutschen Landkreistages sind dafür in diesem Jahr bundesweit Ausgaben von etwa acht Milliarden Euro zu erwarten. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat wegen der hohen Flüchtlingszahlen für übernächsten Mittwoch eine Sondersitzung des Kabinetts einberufen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.