Suche nach Wahrheit

Gut eineinhalb Jahre oder 172 Verhandlungstage - so lange dauert der NSU-Prozess nun schon. Längst läuft das Verfahren weitgehend unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit. Das könnte sich nun für kurze Zeit ändern.

Es ist einer der wichtigsten Strafprozesse der deutschen Nachkriegsgeschichte, und er begann unter den Augen der Weltöffentlichkeit: Seit 6. Mai 2013 wird vor dem Münchener Oberlandesgericht gegen die mutmaßliche NSU-Terroristin Beate Zschäpe und vier Mitangeklagte verhandelt. Ein großes Medienereignis ist der Prozess um die Morde und Anschläge des "Nationalsozialistischen Untergrunds" inzwischen nicht mehr. Vorsitzender Richter Manfred Götzl und sein Senat sind aber weiter auf Wahrheitssuche.

Am Montag, 12. Januar, dem 173. Verhandlungstag und dem ersten nach der Weihnachtspause, wird noch einmal ein neues Kapitel aufgeschlagen: Erstmals wird sich das Gericht ausführlich mit dem Nagelbombenanschlag von Köln beschäftigen. Dort detonierte am 9. Juni 2004 ein mit Nägeln bestückter Sprengsatz vor dem Friseursalon von Özcan Yildirim. Ziel der Terroristen war laut Anklage, so viele Kunden und Passanten wie möglich in der von türkischen Migranten geprägten Straße zu töten oder zu verletzen. Am Ende wurden 22 Menschen verletzt, einige von ihnen lebensgefährlich.

Der Anschlag ist die letzte Tat, die vor Gericht bisher nicht zur Sprache gekommen war. Die zehn Morde waren schon dran, ein Sprengstoffanschlag auf ein kleines Lebensmittelgeschäft in Köln ebenfalls. Auch das Ende des NSU wurde schon vor Gericht behandelt: der Tag, an dem sich Zschäpes mutmaßliche Komplizen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos umbrachten. Dennoch werden einige Fragen wohl offen bleiben. Viele Zeugen aus der rechtsextremistischen Szene schweigen - wie Zschäpe. Die Suche nach der Wahrheit wird noch lange dauern.
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