Symptome, Maßnahmen und nützliche Links
Tipps: Was tun, wenn der Hund einen Giftköder gefressen hat?

Rattengift kann verschiedene Formen und Farben haben. Diese Bilder zeigen einige davon. (Quelle: www.erste-hilfe-beim-hund.de)
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Deutschland und die Welt
17.12.2014
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Immer wieder gibt es Meldungen über von Hundehassern ausgelegte Giftköder. Doch was muss ein Hundehalter tun, wenn sein Tier einen Giftköder gefressen hat? Und wie deutet er die Symptome richtig? Wir haben Tipps und Links zum Thema gesammelt.

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Was tun, wenn im eigenen Gassigeh-Gebiet Giftköder gefunden worden sind?



(dpa/jak) Die Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" aus Wien rät, Hunde bei bereits bestehender Giftköderwarnung in dem jeweiligen Gebiet mit einem Maulkorb spazieren zu führen. Da das Tragen eines Maulkorbs für fast alle Hunde unangenehm sei, sollten sie auf spielerische Weise daran gewöhnt werden.

"Bitte stülpen Sie Ihrem Tier den Maulkorb nicht unvermittelt über die Schnauze", rät Heimtierexpertin Birgitt Thiesmann von "Vier Pfoten". "Das kann zur Folge haben, dass der Hund regelrecht traumatisiert wird und von nun an mit Panik darauf reagiert."

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Vorbeugung: Wie kann ich verhindern, dass mein Hund Giftköder herunterschluckt?



"Vorbeugen ist natürlich das allerbeste", sagt Tierarzt Dr. med. vet. Bernd Lukas aus Amberg. Wenn der Maulkorb keine Möglichkeit ist, sei zumindest das Führen an der Leine ratsam, wenn man von Giftködern im entsprechenden Gebiet weiß.

Es gilt natürlich immer, sein Tier auf Spaziergängen gut zu beobachten. Ein Hundehalter erkennt in der Regel schnell, wenn sein Vierbeiner etwas Besonderes wittert. Dann ist erhöhte Aufmerksamkeit gefragt. Grundsätzlich können schließlich auch andere essbare Dinge für den Hund gefährlich sein, wie beispielsweise Knochen, Exkremente oder Verdorbenes.

Hunden generell abzugewöhnen oder gar zu verbieten, sich im Freien herumliegenden Essensresten zu widmen, funktioniert meist nicht. Nicht selten bewirken diese Erziehungsmaßnahmen laut "Vier Pfoten", dass alles regelrecht "inhaliert" wird, so dass man es ihnen nicht mehr wegnehmen kann. Im Falle eines Giftköders kann das fatale Folgen haben.

Tauschen heißt laut "Vier Pfoten" daher das Zauberwort: "Lernen Hunde die gefundene 'Beute' mit einem anderen, vielleicht sogar aus Hundesicht besseren Objekt der Begierde zu tauschen, so verringert das die Gefahr, dass sie einen Giftköder fressen," erklärt Birgitt Thiesmann. Auch diese Lernmethode erfordert einige Vorarbeit, die jedoch das Leben des Tieres retten kann.

Dieses Video des Hundezentrums Rhein-Lahn gibt Tipps:



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Symptome: Woran kann ich erkennen, dass mein Hund Gift gefressen hat?



Ein Verdacht auf Vergiftung besteht unter anderem bei folgenden Symptomen:


Müdigkeit / Apathie
Unruhe
plötzlich auftretende Krämpfe und / oder Zittern
Atemnot und / oder Husten
vermehrtes Speicheln
Erbrechen
blutige oder verfärbte Schleimhäute
Blut im Urin und / oder Durchfall
Blutergüsse
Verfärbung des Kots (pechschwarz, blutig)
Bewusstlosigkeit
schwankender oder steifer Gang
Weit- oder Engstellung der Pupillen
Diese und weitere Symptome können kombiniert oder einzeln auftreten, und zwar auch noch viele Stunden - oder sogar Tage - nach dem Verschlucken von Gift. Denn nicht jedes Gift wirkt gleich.

Dr. Lukas aus Amberg: "Rattengift zum Beispiel wirkt sehr schleichend. Man merkt das erst gar nicht. Es dauert oft Tage, bis was passiert." Auch ließe sich Rattengift nur indirekt nachweisen. Man könne bei Verdacht auf Rattengift eigentlich nur untersuchen, ob die Blutgerinnung gestört ist, da die Tiere langsam innerlich verbluten. In dem Fall kann es passieren, dass der Hund "über drei bis vier Wochen mit einem Gegenmittel behandelt werden muss", so Dr. Lukas.

Eine Vergiftung durch Schneckenkorn oder Pflanzenschutzmittel sei etwas einfacher zu erkennen, durch eine hohe Erregbarkeit, Krämpfe, Durchfall, Erbrechen von blauen Körnern und starke Schleimbildung. "Im Notfall muss man ein vergiftetes Tier für zwei bis drei Tage in die Narkose legen, damit die Krämpfe aufhören", so der Amberger Tierarzt.

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Erste Hilfe: Was kann ich im ersten Moment selbst tun, um dem Hund zu helfen?



Dr. Lukas: "Schnell reagieren ist das A und O. Bei Verdacht auf Vergiftung sollte man so schnell wie möglich zum Tierarzt fahren und das Tier erbrechen lassen." Von eigenmächtigen Behandlungsversuchen ist auch laut "Vier Pfoten" abzusehen. Sie kosten nur wertvolle Zeit und können den Zustand des Tieres sogar noch verschlimmern", sagt Birgitt Thiesmann. Sollte noch etwas von dem Giftköder vorhanden sein, muss er in jedem Fall mit zum Tierarzt genommen werden.

Bei erste-hilfe-beim-hund.de heißt es, Hundehalter sollten eine Notfallration medizinischer Kohletabletten bereithalten. Wenn seit der Aufnahme des Giftes noch nicht viel Zeit vergangen ist, soll dies eine Möglichkeit sein, dem Hund schnell selbst helfen zu können. Einen Tierarztbesuch schließt das jedoch nicht aus.

Wenn Köder nicht mit Gift, sondern mit gefährlichen Gegenständen wie Rasierklingen oder Nägeln präpariert sind, sollte der Hund allerdings nicht zum Erbrechen gebracht werden, da sonst erhöhte Verletzungsgefahr besteht.

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Welche Maßnahmen folgen danach und wo bekomme ich im Notfall fachkundliche Hilfe?



So schnell wie möglich sollte bei einem Verdacht auf Vergiftung ein Tierarzt aufgesucht oder die mobile Tierrettung verständigt werden (s. Links rechts oben). Während des Transportes ist es ratsam, das Tier weich zu betten und warm zu halten.

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Welche Informationen benötigt der Tierarzt?



Wichtig: Den Tierarzt immer erst anrufen. Nur so kann man wirklich sicher sein, dass er im Dienst und vor Ort ist. Außerdem gibt man ihm so die Möglichkeit, sich auf den Fall vorzubereiten.

Der Tierarzt sollte wissen, ob die Möglichkeit besteht, dass das Tier Gift gefressen hat. Falls ein potenzieller Giftköder entdeckt worden ist, sollte man diesen mitbringen, aber nicht mit der bloßen Hand anfassen.

Folgende Fragen sollten geklärt werden: Wo wurde das Gift aufgenommen, um welches Gift handelt es sich, wann wurde es gefressen, wie schwer ist das Tier, in welcher Verfassung ist es normalerweise und welche Symptome sind aufgetreten?

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Wirkt das Gift bei allen Tieren gleich?



Dr. Lukas: "Die Dosis macht das Gift. Bei einem kleinen Hund kann sich das anders auswirken als bei einem großen." Nicht alle Tiere seien zudem gleich robust. Und es komme eben auch auf Schnelligkeit an. Eine zeitnahe Behandlung könne schon innerhalb von 30 Minuten wirken. "Wenn man länger gewartet hat nach dem Aufnehmen des Giftes, kann eine Bluttransfusion erforderlich sein. Darauf folgt dann eine langwierige Nachbehandlung."

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Wie hoch sind die Überlebenschancen?



Wenn schnell reagiert und behandelt wird, sind die Erfolgschancen nach Einschätzung von Dr. Lukas "generell gut".