Telefonüberwachung

Hauptbeweismittel im Weidener Schleuserprozess ist die TKÜ (Telefonüberwachung). Die Bundespolizei hatte im Sommer 2013 20 Anschlüsse abgehört. An diesen 400 bis 600 aufgezeichneten Gesprächen hatten sich im Prozess immer wieder heiße Diskussionen entzündet. Ursprünglich lagen sie schriftlich in Übersetzung vor.

Vor Gericht sollten die Telefonate eingespielt und von einer Tschetschenisch-Dolmetscherin "live" übersetzt werden. Die Dolmetscherin reiste aus Österreich an, weil sich in Deutschland kein Landsmann für den Job gefunden hatte. Die Frau kam nur einen Tag, dann sagte auch sie ab. Sie hatte laut Staatsanwalt Christian Härtl "Besuch zuhause" bekommen: Sie solle "gewissenhaft übersetzen."

Das Gericht ordnete daraufhin eine zweite schriftliche Übersetzung an. Das erledigte ein halbes Dutzend Übersetzer anonym im "stillen Kämmerlein" der Bundespolizei München. Prompt deckten die Verteidiger auf, dass in Einzelfällen auf die Altversion zugegriffen wurde. Es kam zur Drittübersetzung. Fazit des Gerichts: Erst-, Zweit- und Drittübersetzung decken sich.

Für einen Angeklagten haben die Verteidiger sogar eine Viertübersetzung anfertigen lassen. Dabei kam raus: "Acht Telefonate hat mein Mandant gar nicht geführt, sondern ein Mann gleichen Vornamens", so Anwalt Raphael Brugger. (ca)
Weitere Beiträge zu den Themen: Themen des Tages (14863)Juli 2015 (8666)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.