Tennishalle als Quartier

Anfangs schien es nur eine Vorsichtsmaßnahme - inzwischen hat die Wirklichkeit den Winternotplan der Staatsregierung in Sachen Asylbewerber-Unterbringung eingeholt. Landkreise und Städte müssen über Nacht neue Flüchtlingsquartiere bereitstellen.

Mit der wachsenden Zahl von Asylbewerbern haben bayernweit Städte und Landkreise mit der Öffnung weiterer Notunterkünfte begonnen. Sie reagierten damit auf die Entscheidung der Staatsregierung, den sogenannten Winternotplan in Kraft zu setzen. Viele Kommunen hatten auf Aufforderung der Staatsregierung bereits im vergangenen Herbst damit begonnen, geeignete Hallen oder leerstehende Wohnheime zu melden. "Was damals niemand ernsthaft geglaubt hat, wird nun Wirklichkeit" kommentierte ein Sprecher des Landkreises Coburg die Entwicklung.

In ihrer Not, weitere Plätze für Asylbewerber finden zu müssen, entschied die Regierung von Oberbayern, den VIP-Bereich im Münchner Olympiastadions zu nutzen; 180 Asylbewerber sollen dort erst einmal unterkommen. Auch ein Objekt in Germering bei München ist mit rund 100 Flüchtlingen voll belegt, wie die Behörde mitteilte. Bereits am Wochenende bekamen in der Turnhalle des Gymnasiums in Raubling bei Rosenheim 190 Asylbewerber ein Dach über dem Kopf. Die Dreifachturnhalle in Taufkirchen bei München wird als Reserve mit 300 Plätzen vorgehalten. Eine Tennishalle in Markt Indersdorf (Kreis Dachau) soll frühestens am Mittwoch belegt werden. Ursprünglich hatte die Bezirksregierung damit gerechnet, dass am Wochenende rund 1500 Flüchtlinge in München ankommen. Es seien bis Montagfrüh jedoch lediglich an die 800 gewesen.

Auch mehrere Landkreise in Oberfranken bereiten sich seit dem Wochenende auf die Aufnahme zusätzlicher Asylbewerber vor. Der Ende vergangener Woche in Kraft gesetzte Winternotfallplan sehe zusätzliche Unterbringungsmöglichkeiten in den Landkreisen Forchheim, Kulmbach und Coburg sowie in Bayreuth vor, berichtete ein Sprecher der Regierung von Oberfranken am Montag.

Fachkräftemangel lindern

Der Bayerische Flüchtlingsrat forderte die Staatsregierung auf, die Einreisewelle aus dem Kosovo positiv zu sehen. Die Neuankömmlinge könnten den Fachkräftemangel lindern. "Viele von ihnen waren früher schon einmal in Deutschland, sprechen gut Deutsch und sind gut qualifiziert, teilweise mit deutschen Schul- oder Studienabschlüssen und Ausbildungen", sagte Stephan Dünnwald in München.
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