Terror-Alarm in Hannover: Fußball-Länderspiel abgesagt

(dpa/epd) Wegen Hinweisen auf ein drohendes Sprengstoffattentat von Islamisten ist das Fußball-Länderspiel Deutschland gegen die Niederlande in Hannover am Dienstagabend kurzfristig abgesagt worden. Bundesinnenminister Thomas de Maizière sprach von einer Gefährdung, ohne konkrete Hintergründe zu nennen. Die Deutsche Presse-Agentur erfuhr aus Sicherheitskreisen, es habe Hinweise auf einen von islamistischen Gefährdern geplanten Anschlag gegeben. Hannovers Polizeipräsident Volker Kluwe sagte der dpa: "Wir haben konkrete Hinweise gehabt, dass jemand im Stadion einen Sprengsatz zünden wollte."

Die Absage vier Tage nach den verheerenden Terrorangriffen in Paris sei auf seine Empfehlung erfolgt, sagte de Maizière bei einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz in Hannover. Die Hinweise auf eine Gefährdung hätten sich im Laufe des frühen Abends so verdichtet, dass sich die Sicherheitsbehörden des Bundes nach Abwägung der Vor- und Nachteile entschieden hätten, das Spiel nicht stattfinden zu lassen.

Nach Informationen der "Bild"-Zeitung (online) erhielten die Sicherheitsbehörden vor der Absage mehrere Hinweise auf Anschlagspläne. Zunächst habe es Anzeichen gegeben, dass eine Gruppe um einen Nordafrikaner einen Anschlag planen könne. Es sei von Sprengmitteln, automatischen Waffen und Sprengsätzen an den Zufahrtswegen die Rede gewesen. Dann habe der französische Geheimdienst auf einen irakischen Schläfer hingewiesen, der einen Anschlag geplant haben solle. Nach der Absage wurde das Stadion evakuiert. De Maizière betonte, er wolle sich nicht näher zu den Umständen für die Absage äußern. Fragen zu den Hintergründen der Absage wollte er nicht detailliert beantworten: "Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern." Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) sagte am Abend, bislang sei kein Sprengstoff gefunden worden. Auch Festnahmen habe es noch nicht gegeben.

Moskau hilft Paris

Im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekommt Frankreich militärische Unterstützung von Russland. Kremlchef Wladimir Putin befahl seinen Streitkräften am Dienstag in Moskau einen gemeinsamen Einsatz in Syrien gegen die islamischen Extremisten, die für den Terroranschlag mit 129 Todesopfern verantwortlich sein sollen. Putin erklärte, die Franzosen sollten wie Verbündete behandelt werden.

Nach dem Einstufen des Flugzeugabsturzes über Ägypten als Terroranschlag hat Russland unterdessen ein Kopfgeld von 50 Millionen Dollar auf die Täter ausgesetzt. Für den Absturz des Airbus A321 Ende Oktober, bei dem 224 Menschen ums Leben gekommen waren, hatte der Islamische Staat (IS) die Verantwortung übernommen. Der Absturz der Passagiermaschine ist nach Erkenntnissen des russischen Geheimdienstes FSB von einer Bombe verursacht worden.

Als erster EU-Staat überhaupt bat Frankreich offiziell auch um Beistand der übrigen Mitgliedstaaten. Gefragt ist dabei militärische Unterstützung, um den Kampf gegen den IS in Syrien und im Irak zu verstärken, sagte Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian in Brüssel. Denkbar sei eine Entlastung französischer Streitkräfte in anderen Krisenregionen. Der IS hatte sich zu der Terrorserie in Paris bekannt. Am Morgen griffen zehn französische Jets die Miliz erneut in Syrien an. Am Donnerstag soll zudem der Flugzeugträger "Charles de Gaulle" ins östliche Mittelmeer verlegt werden, um die Schlagkraft zu verdreifachen. Frankreich hätte dann 36 Militärflugzeuge in der Region.

Kein Fahndungserfolg

Die europaweite Fahndung nach einem der Hauptverdächtigen der Pariser Terrorserie dauerte weiter an. Deutsche Polizisten nahmen am Dienstag im Grenzgebiet bei Aachen sieben Personen fest und gingen zunächst davon aus, sie hätten den mit internationalem Haftbefehl gesuchten Salah Abdeslam (26) gefasst. "Leider ist es wohl nicht der, auf den wir alle gehofft hatten, dass er es sein könnte", sagte de Maizière.

Die deutsche Polizei hatte Informationen erhalten, dass Abdeslam, Bruder eines der Selbstmordattentäter, vor rund zwei Monaten in Deutschland und Österreich war. Es habe Hinweise gegeben, dass es möglicherweise "ein dicker Fisch" hätte sein können, sagte de Maizière. Die Festgenommenen sollten am Abend wieder freigelassen werden. "Wir können feststellen, dass wir keine Erkenntnis haben, dass die Personen mit dem Anschlag in Verbindung stehen", sagte ein Polizeisprecher.

Das österreichische Innenministerium teilte mit, dass der Terrorverdächtige Salah Abdeslam am 9. September aus Deutschland kommend mit zwei Begleitern nach Oberösterreich eingereist ist. Der Franzose mit Wohnsitz Brüssel soll das Auto gemietet haben, mit dem die Attentäter zur Konzerthalle "Bataclan" fuhren, wo sie fast 90 Menschen töteten.
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