Terrormiliz IS ist allein militärisch nicht zu besiegen
Fataler Feind

Frankreichs führende Politiker zeigen sich nach der neuen Terrorserie in Paris kämpferisch und entschlossen. "Ja, wir sind im Krieg", sagte Premierminister Manuel Valls in einem TV-Interview. Und ließ nur wenig später den Worten Taten folgen. Mehr als 30 Luftangriffe flogen französische Kampfjets noch am Sonntag auf Al-Rakka, die syrische Hochburg der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Die Botschaft der französischen Regierung ist leicht zu verstehen: Sie will die Dschihadisten mit aller Härte bekämpfen.

Doch der Blick auf den internationalen Kampfeinsatz in Syrien und auch im benachbarten Irak gibt kaum Grund zu Hoffnung, dass dem IS allein damit beizukommen ist. Zwar stoppten die Angriffe der von den USA geführten Allianz den Expansionsdrang der Extremisten an einigen Orten und drängten den IS zurück; entscheidend schwächen konnten die Bombardierungen die Terrormiliz bislang jedoch nicht. Noch immer beherrscht sie riesige Gebiete in Syrien und im Irak. Kernproblem des Lufteinsatzes ist der Mangel an verlässlichen Partnern und gut ausgebildeten Truppen am Boden. Kriege lassen sich nicht aus der Luft gewinnen. Keine der westlichen Regierungen zeigt sich jedoch bereit, mit eigenen Bodentruppen gegen den IS vorzugehen. Allein die Kurden im Irak und in Syrien sind als Verbündete so gut trainiert und ausgerüstet, dass sie mit Hilfe der Luftangriffe der Koalition größere Gebiete zurückerobern konnten.

Mittlerweile hat der IS ein weitreichendes internationales Netzwerk aufgebaut. Ableger in Ägypten, Libyen, dem Jemen und anderswo haben ihm die Treue geschworen. Gerät er in einem Land unter Druck, besitzt er die Fähigkeit, auszuweichen und woanders zuzuschlagen. Sollte er in Syrien und im Irak eines Tages zerschlagen werden, könnte er andernorts zu neuer Stärke auferstehen. Wer den IS besiegen will, braucht nicht nur Entschlossenheit - sondern auch einen langen Atem.
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