Tief erschüttert dankt Merkel am Unglücksort den Franzosen

Zusammen mit dem französischen Präsidenten François Hollande (links) dankte Bundeskanzlerin Angela Merkel in Seyne-Les-Alpes den Rettungskräften der französischen Polizei. Bild: dpa

Kaum jemand kannte diesen abgelegenen Ort in den französischen Hochalpen. Seit dem Absturz der Germanwings-Maschine zieht Seyne-les-Alpes die Blicke der Weltöffentlichkeit auf sich. Merkel, Hollande und Rajoy machen sich ein Bild von der Lage vor Ort.

Die Ermittlungen zur Ursache des Germanwings-Absturzes in Frankreich stoßen auf unerwartete Probleme. Im Trümmerfeld der Unglücksstelle in den Alpen fanden Bergungskräfte zwar den Sprachrekorder und den Behälter des Flugdatenschreibers. Die Blackbox mit den Flugdaten blieb zunächst aber verschollen, sagte der französische Präsident François Hollande in Seyne-les-Alpes. Zudem dauerte die Auswertung der Geräusche aus dem Cockpit des Airbus A320 länger als erwartet. Am Abend wurden erste Leichen geborgen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel besichtigte mit Hollande aus der Luft den Absturzort in einem schwer zugänglichen Tal, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Beim Aufprall der Maschine am Dienstag waren alle 150 Menschen an Bord am ums Leben gekommen. Die meisten Opfer stammen aus Deutschland (72) und Spanien (51). Die Maschine war auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf, als sie an Flughöhe verlor und schließlich an dem Bergmassiv zerschellte. Merkel dankte bei ihrem Besuch in Seyne-les-Alpes den Einsatzkräften für deren Arbeit: "Das ist ein Zeichen unglaublicher Freundschaft und Hilfe. Wir sind sehr dankbar." Merkel, Hollande und der spanische Regierungschef Mariano Rajoy, der ebenfalls zur Unfallstelle gereist war, umarmten sich. Bergungsteams seilten sich am Mittwoch von Hubschraubern in das unwegsame Gelände ab. Zugleich setzten rund 50 Spezialkräfte, die in dem Bergmassiv in Biwaks übernachtet hatten, ihren Aufstieg zum Absturzort fort.

Keine Explosion an Bord

Klar war nur, dass die Germanwings-Maschine nicht in der Luft explodierte. "Das Flugzeug ist bis zum Schluss geflogen", es habe keine Explosion gegeben, teilte der Direktor der französischen Untersuchungsbehörde BEA, Rémi Jouty, mit. Die BEA habe zwar auswertbare Daten aus dem ersten Flugschreiber sichergestellt, könne aber nicht die geringste Erklärung für den Absturz geben, sagte Jouty. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) betonte in Berlin, es gebe keine belastbaren Hinweise dafür, dass Dritte den Absturz herbeigeführt hätten. Sein französischer Amtskollege Bernard Cazeneuve erklärte, es seien alle Hypothesen auf dem Tisch. Die Staatsanwaltschaft von Marseille nahm Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung auf. Die Flugüberwachung habe kurz vor dem Unglück vergeblich versucht, Kontakt zu dem Airbus herzustellen, sagte Staatsanwalt Brice Robin. Düsseldorfer Staatsanwälte übernahmen die deutschen Ermittlungen.
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