Tierschutzbund nimmt Jäger aufs Korn: Völlig zu Unrecht würden Haustiere oft "hingerichtet"
Eine Kugel für Katze und Pudel

Der Tierschutzbund Bayern wirft den Jägern im Freistaat vor, die 1996 verschärften Regeln zum Abschuss von Haustieren regelmäßig zu ignorieren.

Fast täglich bekomme sie Meldungen über "widerrechtlich am Gesetz vorbei" erschossene Hunde und Katzen, erklärte Tierschutz-Vizepräsidentin Tessy Lödermann in München. Wegen der hohen Dunkelziffer müsse von jährlich mehreren 1000 getöteten Haustieren ausgegangen werden. Für den Abschuss von Haustieren gebe es "keinen vernünftigen Grund", so Lödermann. Der Tierschutzbund erkenne sehr wohl den Schutz von Wildtieren vor wildernden Hunden an, doch könne dies in den meisten Fällen ohne eine "Hinrichtung" der Haustiere erfolgen. Der Verband unterstütze deshalb den Gesetzentwurf der Bundesregierung für die Novellierung des Bundesjagdgesetz, in dem ein generelles Abschussverbot für Hunde und Katzen festgeschrieben wird.

Nach dem neu gefassten bayerischen Jagdgesetz von 1996 darf ein Hund nur dann von Jägern geschossen werden, wenn er "tatsächlich erkennbar einem Wild nachstellt" und für das Wild aufgrund seiner Rasse und Größe eine konkrete Gefährdung darstellt. "Ein Pudel, der einem Hirsch nachstellt, darf nicht erschossen werden", erläuterte Lödermann. Katzen gelten nach dem Gesetz als wildernd, wenn sie in einem Jagdrevier mehr als 300 Meter vom nächsten bewohnten Gebäude angetroffen werden. Trotzdem würden auch in Bayern immer wieder Haustiere "direkt vor den Füßen ihrer Besitzer abgeschossen", so die Tierschützerin. Eine Katzenbesitzerin berichtete, dass ihr Kater "Möhrli" 120 Meter von ihrem Haus entfernt auf einer Wiese von einer Schrotladung niedergestreckt wurde, eine Hundehalterin erzählte, ihre Rottweilerhündin sei "unter meinen Augen" in 15 Meter Entfernung von ihr erschossen worden. Den Jägern, die sich nach den Abschüssen oft "schnell im Dickicht verkriechen", seien die gesetzlichen Regelungen "in der Praxis offenbar nicht präsent", urteilte Lödermann über das Vorgehen der Waidmänner. Lödermann appellierte an den Landesjagdverband (BJV), seine Mitglieder auf die bestehende Rechtslage hinzuweisen. Der Verband müsse Fehlverhalten sanktionieren. Dies sei nach Lödermanns Kenntnis bislang in keinem einzigen Fall geschehen. So habe zum Beispiel BJV-Präsidiumsmitglied Richard Hoffmann in einer Ortschaft einen Schäferhund auf einem landwirtschaftlichen Anwesen mit drei Schrotladungen erlegt und dafür einen Strafbefehl über 2500 Euro erhalten. Trotzdem sei er noch immer in Amt und Würden. "Wir erwarten, dass der BLV mit Disziplinarverfahren, Verbandausschluss und Schritten zum Entzug der Jagderlaubnis gegen schwarze Schafe vorgeht", so Lödermann.

Von der Justiz erwartet die Tierschützerin ein konsequenteres Vorgehen gegen "Haustierjäger". Vor den Zivilgerichten würde betroffenen Tierhaltern regelmäßig Schadenersatz zugesprochen, Staatsanwalten und Strafgerichte dagegen würden die Verfahren meist einstellen.
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