Todes-Pfleger: Weitere Morde?

Im Klinikum Oldenburg (Niedersachsen) soll ein wegen mehrfachen Mordes angeklagter Pfleger möglicherweise zwölf weitere Menschen getötet haben. Dies ergab eine neue Untersuchung des Krankenhauses. Bild: dpa

Ein ehemaliger Krankenpfleger steht in Niedersachsen im Verdacht, in zwei Kliniken schwerkranke Patienten umgebracht zu haben. Hunderte Todesfälle werden nun untersucht.

Der Tod von mehr als 180 Menschen wird im Zusammenhang mit einem Mordprozess gegen einen ehemaligen Krankenpfleger aus Niedersachsen untersucht. Der Mann steht bereits wegen dreifachen Mordes und zweifachen Mordversuchs in Delmenhorst vor dem Oldenburger Landgericht. Auch im dortigen Klinikum könnte er für den Tod mehrerer Menschen verantwortlich sein. Bei zwölf Sterbefällen gebe es Hinweise auf Fremdeinwirkung, sagte ein Gutachter am Dienstag in Oldenburg.

In Delmenhorst untersucht eine Sonderkommission 174 Todesfälle im Klinikum, auch dort hatte der Pfleger gearbeitet. Der Mann wurde bereits 2008 wegen Mordversuchs zu einer Haftstrafe von siebeneinhalb Jahren verurteilt. Im Gefängnis prahlte er nach Zeugenaussagen mit seinen Taten. Bei 50 Toten habe er aufgehört zu zählen. Ob die zwölf Todesfälle in Oldenburg dem Pfleger zu Last gelegt werden können, ist unklar. Der Gutachter, Professor Georg von Knobelsdorff, hatte bei den schwer kranken Patienten einen erhöhten Kaliumspiegel festgestellt. In sieben Fällen sei eindeutig von Fremdeinwirkung auszugehen, sagte er. In fünf Fällen sei diese nicht ausgeschlossen. Der Gutachter hatte in Oldenburg 56 Sterbefälle während der Dienstzeit des Mannes überprüft.

Schwer zu erkennen

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 37-Jährigen jetzt vor, Patienten eine Überdosis eines Herzmedikaments gespritzt zu haben, um sie danach wiederbeleben zu können. Später soll Langeweile das Motiv gewesen sein. "Nirgendwo kann ein Serienmörder so unbehelligt sein Unwesen treiben wie im Krankenhaus oder Pflegeheim. Denn der Tod ist hier allgegenwärtig", sagte Eugen Brysch, Vorstand Deutsche Stiftung Patientenschutz. Der Oldenburger Klinik-Geschäftsführer Dirk Tenzer erklärte, es habe keine erhöhte Sterberate und keinen erhöhten Verbrauch des Herzmedikaments gegeben. Auffälligkeiten seien also nur durch die intensive Untersuchung erkennbar gewesen.
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