Todesschütze, Stasi-Zuträger, Waffennarr: Karl-Heinz Kurras gestorben
Seine Tat befeuerte die RAF

2009 wird der Todesschütze des Studenten Benno Ohnesorg als früherer Stasi-Spitzel enttarnt. Dass Karl-Heinz Kurras im Auftrag der Stasi geschossen haben könnte, wird nie erhärtet. Nun ist der Ex-Polizist tot.

Zu den konspirativen Stasi-Treffen fährt der Polizist Karl-Heinz Kurras aus West-Berlin getarnt mit Mütze und Brille. Er liefert Adressen, Dienstanweisungen, Alarmpläne. Niemand ahnt etwas von seinem Doppelleben. Doch dann läuft die wertvolle Quelle aus dem Ruder. Kurras erschießt am 2. Juni 1967 bei Protesten Benno Ohnesorg. Die Stasi schaltet den GM (Geheimer Mitarbeiter) "Otto Bohl" ab, der auch Mitglied der DDR-Staatspartei SED ist.

48 Jahre nach dem tödlichen Schuss starb Kurras nun in Berlin. Er sei anonym bestattet worden, schreibt der "Tagesspiegel".

Zweimal freigesprochen

"Es ist ein Menetekel in der deutschen Geschichte, dass diese Tat ungesühnt bleibt", sagt der Historiker und Stasi-Experte Helmut Müller-Enbergs. Kurras wird in zwei Verfahren 1967 und 1970 freigesprochen. Für den Vorwurf der fahrlässigen Tötung fehlen die Beweise. Der Täter selbst beruft sich auf Notwehr. Auch neue Ermittlungen nach seiner Enttarnung verlaufen im Sande.

Als die Stasi-Akte von Kurras 2009 entdeckt wird, ist das eine Sensation. Schoss Kurras im Auftrag der Stasi? Sollte dadurch die Studentenbewegung radikalisiert und die Bundesrepublik geschwächt werden? Für Müller-Enbergs steht fest: "Kurras hatte keinen Auftrag, Ohnesorg zu erschießen, dafür gibt es keine Hinweise." Aber Kurras habe mit dem Schuss den Start für den Linksterrorismus gegeben. In den Stasi-Unterlagen über Kurras steht auch, dass dieser für seine Waffensammlung viel Geld ausgebe. Sein Wunsch, dass ihm das Ministerium für Staatssicherheit eine Waffe besorge, wird abgelehnt.

Der Ex-Polizist zieht auch selbst vor Gericht, er will die Kürzung staatlicher Gelder nicht hinnehmen. Kurras hatte Eingliederungshilfen bekommen - weil er nach Kriegsende im sowjetischen Speziallager Sachsenhausen eingesperrt war. Doch als die Stasi-Tätigkeit publik wird, stellt sich heraus, dass Kurras nicht aus politischen Gründen dort saß - sondern wegen illegalen Waffenbesitzes. Kurras zieht die Klage 2011 zurück.
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