Tödliche Massenpanik

Die Menschenmenge wird zur Todesfalle. Bei der Silvesterfeier in Shanghai sind viel zu viele Leute. Als vermeintliche Geldscheine durch die Luft flattern, ist die Katastrophe nicht mehr aufzuhalten.

"Es war die Hölle", schildern Überlebende nach der Massenpanik in Shanghai. "Entsetzlich." Hunderttausende drängten sich am Bund, der legendären Uferpromenade der ostchinesischen Hafenmetropole, hofften am Silvesterabend auf ein farbenfrohes Spektakel. In einer bösen Vorahnung hatte die Stadtregierung die geplante Lasershow auf den geschichtsträchtigen Gebäuden und das Feuerwerk um Mitternacht kurzfristig abgesagt. Es wurde befürchtet, dass die Massen nicht zu kontrollieren sein könnten. Diese Angst wurde tragisch bestätigt. Nachgemachte Geldscheine sollen der Auslöser gewesen sein.

Gewaltiger Ansturm

Der Ansturm war gewaltig. Viele waren trotz der Absage des Feuerwerks gekommen oder hatten nicht einmal davon gehört. Die Menschenmassen standen auf den Straßen, den erhöhten Ufer-Terrassen und ihren Treppen, um zumindest die allabendliche bunte Lichtershow auf den grandiosen Hochhäusern auf der anderen Seite des Huangpu-Flusses zu verfolgen. "Die Stufen waren voller Menschen", schildert ein Augenzeuge im chinesischen Internet. "Die einen wollten hoch, die anderen runter."

"Wir waren in der Mitte gefangen und sahen, wie einige Mädchen schreiend hinfielen", berichtet eine Augenzeugin laut Staatsagentur Xinhua. "Reihe für Reihe fielen die Leute dann hin." Die Katastrophe begann nach amtlichen Angaben 25 Minuten vor Mitternacht. "Die Massen waren in Panik", schildert ein Mann. "Wir standen in der Menge, wurden zusammengequetscht und kriegten kaum noch Luft", erzählt er. "Einige riefen nach Hilfe, aber der Lärm war zu groß." Während die Tragödie unaufhaltsam ihren Lauf nahm, wurden an anderer Stelle die letzten Sekunden des Jahres bis Mitternacht gezählt: "Fünf, vier, drei, zwei, eins ...". Da versuchten Helfer schon verzweifelt, die ersten am Boden liegenden Opfer aus der Menge zu ziehen oder sie wiederzubeleben, wie geschildert wird.

"Die Polizei versuchte zu helfen, aber vergeblich, weil es viel zu viele Menschen waren", berichtet ein Augenzeuge namens Xiao Ji in chinesischen sozialen Medien. Er habe verzweifelt versucht, Gestürzte aus der Menge zu bergen, habe sie aber erst nicht rausziehen können. "Ich sah, wie vor mir einer nach dem anderen bewusstlos wurde." Erst später habe er einige bergen können.

Was die Massen so unkontrolliert und katastrophal ins Wanken brachte, sollen nachgemachte Geldscheine gewesen sein, die aus einem Fenster im dritten Stock des Gebäudes an der historischen Adresse Bund 18 flatterten, wie Augenzeugen berichten. Das chinesische Internet ist voll von Bildern der Geldscheine, die wie Hundert-Dollar-Noten aussehen und einen Aufdruck "M18" und "Neujahr 2015" haben.

Idee eines Clubs

Es war wohl eine Idee des luxuriösen Clubs "M18". Die Vergnügungsstätte stellt sich als "Shanghai's Sexiest Boutique Nightclub" vor und bietet vom vierten Stock einen imposanten Blick auf die Skyline von Pudong. "Da wird Geld geworfen", riefen Menschen auf der Straße - und glaubten an einen unverhofften Dollar-Regen.

"Die Leute nahe am Gebäude eilten zuerst los", schildert ein Augenzeuge laut Nachrichtenagentur Xinhua. "Dann wehten die Scheine durch starken Wind auf die Aussichtsplattform. Viele wollten sie greifen." Da stürzten die ersten in der Masse. Die Katastrophe nahm ihren Lauf. Am Ende sind 36 Menschen tot, kämpfen 13 Schwerverletzte nach amtlichen Angaben im Krankenhaus um ihr Leben.
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