Tödliche Shows am Himmel

Bei einer Flugshow in der Schweiz sind am Sonntag zwei Maschinen der deutschen Sportflieger-Formation Grasshoppers in der Luft kollidiert und abgestürzt. Dabei ist laut Polizei ein Pilot ums Leben gekommen. Beinahe hätte es noch mehr Opfer gegeben. Bild: dpa

Briten lieben Flugschauen, sie sind Events für die ganze Familie. Umso größer ist der Schock über den dramatischen Absturz bei Brighton mit mehreren Toten. Nur einen Tag später verunglückt ein deutscher Pilot in der Schweiz. Das wirft Fragen zur Sicherheit der Shows auf.

Am Sonntag stecken schon die ersten Blumen im Zaun. Ganz nah an der Stelle, wo am Vortag ein Militärjet mit einem Looping Tausende Zuschauer beeindruckte - und Sekunden später in einem riesigen Feuerball aufging, ausgerechnet auf einer Straße mit reichlich Verkehr. Die schwarze Rauchwolke nahe der südenglischen Küste war aus vielen Kilometern Entfernung noch zu sehen.

Unter den laut Polizei "sehr wahrscheinlich" elf Toten sollen zwei Fußballer aus dem nahe gelegenen Städtchen Worthing sein und ein 24 Jahre alter Personal Trainer. Sie waren nicht einmal Zuschauer der Shoreham-Airshow bei Brighton, sondern einfach nur im falschen Moment auf der Straße neben dem Flugplatz unterwegs. Auch eine Hochzeitslimousine soll der Militärjet getroffen haben, die auf dem Weg zu einem Brautpaar war.

Identität der Toten unklar

Die genaue Identität der Toten blieb zunächst in den meisten Fällen unklar. Die Polizei hielt es zudem für möglich, dass die Zahl der Toten noch weiter steigt: Zwischen Flugzeug- und Autotrümmern könnten noch Opfer liegen. Der Absturz der historischen Maschine vom Typ Hawker Hunter hat die Briten schockiert. Erst Anfang August starb ein 39 Jahre alter ehemaliger Pilot der Luftwaffe in der Nähe von Manchester, als er mit einer Folland Gnat abstürzte. Der Pilot des Hawker Hunter soll ebenfalls bei der Luftwaffe gewesen sein. Er kämpft in einem Krankenhaus ums Überleben.

Meterhoch flogen am Samstag brennende Trümmerteile durch die Luft. Weil Zuschauer die Flugvorführung festhalten wollten, verbreiteten sich schon kurz nach dem Absturz die dramatischen Bilder und Videos im Netz. Er danke Gott, dass es keine größere Menschenmenge getroffen habe, sagte der lokale Parlamentsabgeordnete Tim Loughton kurz nach dem Unglück. Nur ein paar hundert Meter weiter, und es hätten Dutzende Tote sein können. Das Unglück von Shoreham wirft unweigerlich die Frage auf, ob die Schauflüge der historischen Maschinen, die zu Gedenk- und Feiertagen auch gern über den Buckingham-Palast in London hinwegrauschen, eigentlich sicher sind.

Veranstaltungen verbieten

Es ist eine Frage, die jedes Mal gestellt wird, wenn bei einer Flugschau etwas schief geht. Am Sonntag, nur einen Tag nach dem Unglück von Shoreham, starb in der Schweiz ein Pilot der deutschen Sportflieger-Formation Grasshoppers, als er mit einer anderen Maschine in der Luft zusammenkrachte. Vereinzelt forderten Kommentatoren in Zeitungsforen und Sozialen Netzwerken am Sonntag, die Shows komplett zu verbieten. "Die Sicherheit aller Flugschau-Besucher wird mit viel Mühe sichergestellt", hielt der lokale Parlamentsabgeordnete Tim Loughton dagegen. Der Unfall sei tragisch, aber kein Grund für Verbote. "Die Piloten gehen Risiken ein, aber kalkulierbare Risiken", sagte Flugsicherheitsexperte David Learmount der BBC. Ein fragiles, altes Flugzeug werde auch vorsichtig geflogen. Er könne gar nicht genug betonen, wie streng die Showflüge reguliert seien. Es dürfte etwa kein Manöver tiefer als 500 Fuß - rund 150 Meter - über dem Publikum ausgeführt werden. Trotzdem hält Learmount es für möglich, dass die Experten für zivile Flugzeugunglücke jetzt noch strengere Regeln vorschlagen.

Show sofort abgebrochen

Bei einer Flugshow in der Schweiz soll laut Medienberichten beim dortigen Unfall ein zweiter Flieger mit dem Fallschirm abgesprungen sein. Die Show auf dem Flugplatz in Dittingen unweit von Basel wurde unmittelbar nach dem Unglück abgebrochen. Nach Angaben der "Basellandschaftlichen Zeitung" (BZ) kam es zur Kollision bei einem Kurvenflug der Grasshoppers-Dreierformation.

Eines der Flugzeuge sei mit dem Heck eines anderen kollidiert. Eine der Maschinen sei in eine Scheune Mitten im Dorf Dittingen gestürzt. Das andere Leichtflugzeug kam mit Rettungsfallschirm am Heck im Garten eines Einfamilienhauses runter - mit zerstörtem Fahrwerk, aber fast intakter Führerkabine. Das dritte Flugzeug sei zunächst über der Unglücksstelle gekreist und dann gelandet. Nach Angaben der Facebook-Seite der Grasshoppers handelt es sich um eine Dreierformation mit zweisitzigen Leichtflugzeugen vom Typ Ikarus C42.
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