Transplantationsskandal: Gericht sieht keine Schuld - Anklage in Regensburg möglich
Freispruch für Göttinger Arzt

(epd/üd/wbr) Der Strafprozess um Manipulationen bei Organverpflanzungen an der Göttinger Universitätsklinik ist am Mittwoch mit einem Freispruch zu Ende gegangen. Das Göttinger Landgericht sprach den ehemaligen Leiter der Transplantationsabteilung in allen Anklagepunkten "aus rechtlichen und tatsächlichen Gründen" frei. Zugleich hob die Kammer den schon zuvor unter Auflagen außer Vollzug gesetzten Haftbefehl gegen den 47 Jahre alten Professor auf. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig kündigte an, das Urteil juristisch anzufechten. Sie hatte acht Jahre Haft für den Chirurgen und ein lebenslanges Berufsverbot als Transplanteur gefordert. Der Arzt war wegen versuchten Totschlags in elf Fällen und Körperverletzung mit Todesfolge in drei Fällen angeklagt worden. Das Gericht erkannte in acht Fällen von dem Angeklagten selbst vorgenomme oder veranlasst Manipulationen worden. Dies sei moralisch zu missbilligen, zum Tatzeitpunkt aber nicht strafbar gewesen. In dem Verfahren habe nicht bewiesen werden können, dass Menschen durch die Falschangaben gestorben seien. Auch in Regensburg, wo der Mediziner von 2003 bis 2008 am Uniklinikum operierte, könnte ihm ein Prozess drohen. Das Krankenhaus hatte 43 Auffälligkeiten aus dem Arbeitsbereich des Oberarztes an die Staatsanwaltschaft gemeldet. Diese ermittelt derzeit und wartet zudem auf das Ergebnis eines Gutachtens, das im Laufe des Jahres vorliegen könnte. Dann werde sie entscheiden, ob sie Anklage gegen den 47-Jährigen erhebt, hieß es am Mittwoch. (Kommentar und Seite 6)
Weitere Beiträge zu den Themen: Weltgeschehen (20753)Mai 2015 (7904)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.