Trauben hängen sehr hoch

Georg Schmidbauer ist stolz seine Weinstöcke der Sorte Regent. "Die Trauben fallen zwar etwas kleiner aus, doch sie reifen aus und schmecken süß." Bild: fvo

"Wir haben hier in Oberbernrieth auf 700 Meter über den Meeresspiegel den höchsten Weinanbau weit und breit", meint Georg Schmidbauer. Als Weinreben-Experte ist der ehemalige Seminarrektor, Organist und Heimatpfleger bisher noch nicht in Erscheinung getreten - das ändert sich jetzt.

Gärten dienen als Orte der Muse, der Entspannung und des Krafttankens, der Begegnung mit der Natur, aber auch der Aktivität wie beispielsweise dem Anbau von Weinreben. Ob und wie Reben in dieser Höhe in Oberbernrieth am Fahrenberg gedeihen, diese Frage beschäftigt Schmidbauer schon länger.

Phönix und Regent

Vor einigen Jahren hat er an den Südmauern von Garage und Wohnhaus, nach eingehender Beratung mit einem Fachmann eines Gartencenters , insgesamt vier Reben in den Sorten Phönix (weiß) und Regent (blau) gepflanzt. Und siehe da: Der nützliche Schmuck gedeiht prächtig. "In diesem Jahr werde ich vermutlich 30 bis 40 Pfund Trauben ernten. Wir werden sie genüsslich verzehren und garantiert nicht als Winzer fungieren". Vor allem "die Roten" bringen reichen Ertrag.

Inzwischen habe der Weinstock einige Liebhaber im Dorf wie Reinhold Kominowski, Andreas Haberkorn und auch Josef Müller. Mit den fast 20 Weinstöcken erlebt der Weinrebenanbau im Fahrenbergdorf eine neue Blüte.

Flurname "Weinberg"

Auch im Oberpfälzer Wald gebe es laut Schmidbauer Flurnamen, die schon früher Weinanbau vermuten lassen. So trägt auch eine Südwest-Hanglage bei Oberbernrieth rechts der Straße nach Neuenhammer den Namen "Weinberg". Sollte hier tatsächlich früher Wein angebaut worden sein? Der Weinanbau im späten Mittelalter hatte sein Zentrum im Donautal, wo heute noch letzte Reste von Weinbergen vor allem bei Bach und Kruckenberg existieren. Von hier drang gemäß Schmidbauers Recherchen der Anbau der Reben bis in die nördliche Oberpfalz vor.

Weniger empfindliche Reben ermöglichten den Anbau in ungünstigeren Lagen. "Es wurde ja auch im Allgemeinen weit mehr Wein als Bier getrunken - das Bier entwickelte sich erst später zum Volksgetränk." Ein entscheidender Gesichtspunkt sei schließlich, dass bis ins 16. Jahrhundert hinein zehn Prozent weniger Niederschläge und etwa zwei Prozent höhere Durchschnittstemperaturen für ein wärmeres Klima sorgten, dass den Weinanbau auch außerhalb der Flusstäler wahrscheinlicher erscheinen lässt.

So ist es nach Schmidbauer also durchaus vorstellbar, dass in Oberbernrieth am Fahrenberg Weinanbau betrieben wurde.
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