Trauer und Fassungslosigkeit

Vereint in der Trauer: Auch vor dem Kölner Dom sehen Hunderte Menschen die Trauerfeier für die 150 Toten des Flugzeugabsturzes auf einer Großleinwand. Bild: dpa

Nach dem Schock kommt die Trauer - und die Suche nach Trost. Mehr als drei Wochen sind seit dem Germanwings-Absturz vergangen. Im Kölner Dom wird an die Opfer erinnert. Ergreifende Momente.

Deutschland vereint in Schmerz: Bei einer bewegenden Trauerfeier im Kölner Dom haben Angehörige, Bevölkerung und die Staatsspitze der Opfer des Germanwings-Absturzes gedacht. Die Erschütterung war auch dreieinhalb Wochen nach der Katastrophe noch greifbar. "Es ist etwas zerstört worden, das in dieser Welt nicht mehr geheilt werden kann", sagte Bundespräsident Joachim Gauck. Bei der zentralen Trauerfeier mit 1400 Gästen versuchten Vertreter von Kirchen und Politik am Freitag, den rund 500 Angehörigen Trost zu spenden.

Angehörige nicht allein

Bloße Worte seien zu schwach, um zu trösten, sagte Kardinal Rainer Maria Woelki. Dass so viele Menschen in diesem Moment Mitleid und Beileid zeigten, "das soll Ihnen Trost sein". Die Hinterbliebenen seien nicht allein "in diesen Stunden der Einsamkeit", versicherte der Kölner Erzbischof. "Unbegreifliches ist geschehen. Und Unbegreifliches wurde getan", sagte Annette Kurschus, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, die die Messe mit Woelki leitete.

Eine junge Frau trat für die Angehörigen in den Altarraum und bat um Zuversicht. "Herr, ich bitte dich: Trockne unsere Tränen, stärke die schönen Erinnerungen und schenke uns allen neuen Lebensmut", sagte sie, um Fassung bemüht. "Gib allen Angehörigen aus Deutschland, Spanien und den anderen Nationen treue Begleiter auf ihrem Weg, die sie verstehen und ihnen ein Halt sind."

Beim Absturz des Airbus waren am 24. März alle 150 Menschen an Bord ums Leben gekommen. Der Copilot hatte offenbar das Flugzeug absichtlich in den französischen Alpen zum Absturz gebracht. "Dieser eine hat die vielen anderen mit in den Tod gerissen, den er für sich selber gesucht hatte. Uns fehlen Worte für diese Tat", sagte Gauck. "Vielleicht ist es das, was uns so sehr erschreckt hat: die Sinnlosigkeit des Geschehens. Wir sind konfrontiert mit einer verstörenden Vernichtungstat. Wir wissen nicht, wie es im Inneren des Copiloten ausgesehen hat, der sich und 149 anderen das Leben nahm." Jedoch hätten auch dessen Angehörige einen geliebten Menschen verloren.

Woelki: "Es sind 150 Opfer"

Für jeden Toten brannte eine weiße Kerze im Kölner Dom. "Es sind 150 Opfer", hatte Kardinal Woelki betont. Das Urteil über den Copiloten müsse man Gott überlassen. An Gottesdienst und staatlichen Trauerakt nahmen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundestagspräsident Norbert Lammert, NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft sowie Regierungsvertreter aus Spanien und Frankreich teil. Für ganz Deutschland war am Freitag Trauerbeflaggung angeordnet. Die Lufthansa gedachte der Opfer mit einer ganzseitigen Traueranzeige in mehreren Zeitungen: "Wir trauern um unsere Passagiere und Kollegen. (...) Wir werden sie nie vergessen."
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