Trauer und Wut in Charleston

Die Ermordung von neun Afroamerikanern in einer Südstaaten-Kirche trifft die USA wie ein Schock. Die Hinweise auf ein rassistisches Motiv verdichten sich. Wie sicher sind die Schwarzen im eigenen Land?

Nach den Todesschüssen auf Afroamerikaner in einer Kirche in Charleston ist der mutmaßliche Täter Dylann Roof wegen neunfachen Mordes angeklagt worden. Die Bundesbehörden ermitteln wegen eines Hassverbrechens. Weiterer Vorwurf sei der Waffenbesitz zur Durchführung eines Gewaltverbrechens, teilte die Polizei im US-Bundesstaat South Carolina am Freitag mit. Es handelt sich um eines der schwersten möglicherweise rassistisch motivierten Verbrechen seit Jahren in den USA.

Todesstrafe gefordert

Medien berichteten unter Berufung auf Ermittler, der 21-Jährige habe die Tat gestanden. Sein Motiv sei demnach gewesen, einen "Krieg zwischen den Rassen" zu starten. Laut Berichten sei Freunden und Verwandten zuletzt immer häufiger seine feindliche Haltung gegenüber Schwarzen aufgefallen. Die Gouverneurin von South Carolina, die Republikanerin Nikki Haley, sprach sich dafür aus, den Täter mit dem Tode zu bestrafen. US-Medien beschrieben den Täter als Einzelgänger, der 2010 seine Schulausbildung abgebrochen habe. Roof soll am Mittwoch in der historischen Emanuel-Methodistenkirche während einer Bibelstunde den Pastor und acht weitere Menschen erschossen haben. Präsident Barack Obama beklagte im Anschluss an die Tat erneut die unbewältigten Probleme zwischen Menschen unterschiedlicher Hautfarbe in den USA und die laxen Waffengesetze. Auch die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton forderte eine Reform des Waffenrechts. Oppositionspolitiker wiesen eine schnelle Politisierung des Vorfalls zurück. Schwarze und Weiße trauerten in Charleston gemeinsam um die Opfer. Proteste blieben zunächst aus. In New York wurden jedoch inzwischen die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. Alle Kirchen, die hauptsächlich von Afroamerikanern besucht werden, würden mit zusätzlichem Personal bewacht, teilte Bürgermeister Bill de Blasio mit.
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