Trauern in vielen Sprachen

In der Kirche Notre Dame de Nazareth in Seyne-Les-Alpes können sich Trauernde in ein Kondolenzbuch für die Opfer des Flugzeug-Absturzes eintragen. Bilder: dpa

Nach dem Germanwings-Absturz nehmen die Menschen in den französischen Bergen Anteil am Leid der Angehörigen. Dabei kennt die Trauer keine Grenzen, weder nationale noch sprachliche.

"In tiefer Trauer", "en profonde tristesse", "solidaridad y amor" - vielsprachig teilen die Menschen in Seyne-les-Alpes ihre Trauer. Sie haben ihre Gefühle in das Kondolenzbuch in der Eglise de Nazareth geschrieben: "Heartfelt sympathies to all of the victim families plus friends of 4U9525." ("Aufrichtiges Mitgefühl für alle Familien und Freunde der Opfer des Flugs 4U 9525") Nach dem Absturz der Germanwings-Maschine in dem französischen Bergmassiv nehmen Angehörige Abschied von den 150 Toten, die meisten aus Deutschland und sehr viele aus Spanien.

Dutzende haben an einer Trauerfeier teilgenommen - abgeschirmt von der Öffentlichkeit. "Das gebietet der Respekt für die Familien, die größten Schmerz durchleben", sagt Bürgermeister Francis Hermitte. Viele waren schon am Donnerstag da, sie sind bereits wieder abgereist. Andere wollten am Freitag kommen, erneut dürften Deutsche dabei sein.

Gedenken in Haltern

Auch in Deutschland wird getrauert: Bundespräsident Joachim Gauck nahm am Vormittag an einem Gedenkgottesdienst in Haltern teil. 16 Schüler und zwei Lehrerinnen des dortigen Gymnasiums waren an Bord des Airbus, der am Dienstag auf dem Flug von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen an einem Bergmassiv zerschellte.

Germanwings eröffnet am Samstag in der Nähe der Absturzstelle ein Betreuungszentrum für Angehörige. Von den etwa 50 Angehörigen, die am Donnerstag die Unglücksstelle besucht hatten, flogen die meisten wieder zurück nach Deutschland. Der Bundesrat gedachte zu Beginn seiner Sitzung am Freitag der Opfer, unter denen laut Auswärtigem Amt 75 Deutsche sind.

Im Sportzentrum in Seyne-les-Alpes hat die Gemeinde provisorisch eine Kapelle und einen Raum für die Betreuung der Hinterbliebenen eingerichtet. Während die Bergung der sterblichen Überreste ihrer Verwandten und Freunde am 15 Kilometer entfernten Absturzort an steilen Hängen und Felsen weitergeht, sammeln sie sich hier in Stille und Trauer. Psychologen betreuen sie. Gendarmerie sorgt für Abstand.

Der Ort wird in diesen Tagen regelrecht überrannt von Medien, Hunderten Helfern, Soldaten, Gendarmerie, Feuerwehrleuten, Hilfsorganisationen und Fachleuten für die Ermittlungen. Auch am Freitag donnerten Hubschrauber über den 1500-Seelen-Ort. Sie brachten Experten der Spurensicherung und Rechtsmediziner an den Unglücksort. Unter Hochdruck wird nach dem zweiten Flugschreiber des Airbus A320 der Lufthansa-Tochter gesucht. Die Menschen hier bleiben trotz des Rummels freundlich, helfen bei alltäglichen Fragen, nehmen schon mal einen Fremden im Auto mit.

Ebenfalls bei Seyne-les-Alpes arbeiten in einem provisorischen Labor Dutzende DNA-Experten an der Identifizierung der Toten. Allein die Bergung wird noch viele Tage dauern. Und bis die sterblichen Überreste an die Angehörigen übergeben werden, könnten Wochen vergehen, schätzt ein Sprecher der Gendarmerie. Die Rettungskräfte am Absturzort haben bisher nur Leichenteile sammeln können. "Wir haben bisher keinen einzigen vollständigen Körper geborgen", sagte Kriminaltechniker Patrick Touron am Freitag. Er sprach von etwa 400 bis 600 Leichenteilen, die gefunden worden seien. Es gebe einige Übereinstimmungen mit den DNA-Proben, die bei Angehörigen genommen worden seien. Auch biometrische Daten würden genutzt.

Im Nachbarort Le Vernet, der am nächsten an der Absturzstelle liegt, erinnert bereits eine Stele an die 150 Opfer. Davor ein Meer von Blumen: Weiße und rote Rosen, Sträuße in bunten Farben. Auch über einen Erinnerungsort in den Bergen wird nachgedacht. "Es geht darum, einen sichtbaren Punkt zu schaffen, der den Familien den Gedanken erlaube: ,Hier ist es passiert'", sagt Hermitte. "Aber die Familien müssen einverstanden sein."

Besondere Tragik

Der Ort nimmt Anteil. Aber auch ein anderer Gedanke bewegt die Menschen hier: Was wäre passiert, wenn das Flugzeug in den Ort gestürzt wäre? Oder in die Mauer des Stausees? Dann hätte es viele Toten geben können. "Wir sind ein Bergort", sagt der Bürgermeister. Die Menschen wüssten um die Gefahr des Todes in den Bergen. Doch die Tragik dieser Katastrophe, die Zahl der Opfer, die Umstände - das berührt in besonderer Form. Privatleute und Hotels stellten Übernachtungsplätze zur Verfügung, insgesamt 600 Betten. Die große Hilfsbereitschaft sorgt international für Aufmerksamkeit. Wahrscheinlich werden die Menschen noch lange mit dem Unglück konfrontiert sein.
Weitere Beiträge zu den Themen: Weltgeschehen (20753)März 2015 (9461)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.