Tschechiens Polizei fasst zwei Massenschleuser

Rund 180 Flüchtlinge sollen zwei Ungarn in den letzten drei Wochen ins Grenzland gebracht haben. Bei der vierten Massenschleusung schlug die tschechische Polizei auf der E 5 bei Bor zu. Doch die Flüchtlingswelle rollt. Im Juli verzeichneten die Behörden den höchsten Zugang aller Zeiten.

Waidhaus/München. (ca/dpa) In den zurückliegenden drei Wochen war es über Waidhaus zu drei Großschleusungen gekommen: Jeweils 60 Flüchtlinge waren im Laderaum eines 7,5-Tonner-Lastwagens ab Budapest ins Grenzland transportiert und in Vohenstrauß bzw. Waidhaus ausgesetzt worden. Der Bundespolizei Waidhaus/Bärnau gelang es, die Hintermänner zu ermitteln. Jetzt erfolgte die Festnahme: Die Kollegen der tschechischen Autobahnpolizei stoppten den Lastwagen am Freitag, 7.45 Uhr, auf der E 5 bei Bor, 26 Kilometer vor Waidhaus. Am Steuer: die gesuchten zwei Ungarn. Auf der Ladefläche standen dicht aneinander 81 Menschen: Pakistani und Syrer. "Es waren viele Familien darunter, 15 bis 20 Kinder", berichtet Bundespolizeisprecher Franz Völkl. Die Flüchtlinge bleiben in Tschechien. Die Staatsanwaltschaft Weiden rechnet damit, dass Tschechien die ungarischen Beschuldigten überstellt. Eine Anklage könnte dann in Weiden erfolgen.

Unterdessen gelangten im Juli so viele Asylbewerber nach Deutschland wie noch nie zuvor in einem Monat. Manfred Schmidt, der Präsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF), sprach am Freitag in München von einem "Allzeitrekord". Mit 79 000 Menschen habe es im Juli "den höchsten Zugang aller Zeiten" gegeben, betonte auch Bayerns Sozialministerin Emilia Müller (CSU). Ende August will das Bundesamt seine Prognose für 2015 aktualisieren. Bisher rechnet Schmidt in diesem Jahr mit 450 000 Asylbewerbern.

Lage zugespitzt

Nach Einschätzung des Migrationsforschers Dietrich Thränhardt sind ineffiziente Strukturen im deutschen Asylsystem der Grund für den enormen Stau bei der Bearbeitung der Anträge. Das BAMF schiebe eine immense Bugwelle unerledigter Anträge vor sich her, sagte Thränhardt. Im europäischen Vergleich liege Deutschland hier weit an der Spitze, und eine Besserung sei nicht in Sicht.

Angesichts der Stimmungsmache gegen Flüchtlinge in Deutschland warnt der Verfassungsschutz vor rechtsextremistischen Anschlägen. "Die Lage hat sich in den vergangenen Wochen zugespitzt", sagte Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen. "Wir schließen nicht mehr aus, dass Rechtsextremisten gezielt Anschläge auf bewohnte Flüchtlingsunterkünfte verüben, bei denen es auch zu Opfern kommen könnte."

Bannmeile in Freital

Nach dem Brandanschlag auf ein geplantes Flüchtlingsheim in Reichertshofen nahe Ingolstadt hat die Polizei für Hinweise auf die Täter 10 000 Euro Belohnung ausgelobt. Das Landratsamt Sächsische Schweiz-Osterzgebirge hat für Freitagabend ein Demonstrationsverbot im Umkreis der Flüchtlingsunterkunft in Freital verhängt. Die Kleinstadt hatte in den vergangenen Wochen mit ausländerfeindlichen Protesten für bundesweites Aufsehen gesorgt. (Kommentar, Seite 2 und 3)
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