Tücken des Umzugs

Die Staatsregierung will über 2000 Behördenstellen aufs Land verlagern. Doch Behördenumzüge bergen Tücken, wie ein internes Dokument des Innenministeriums belegt. Ein Oberpfälzer, der davon betroffen ist, kann die Aufregung nicht ganz teilen.

(dpa/we) Der Umzug des Statistischen Landesamts von München nach Fürth verursacht Schwierigkeiten. Laut einem internen Bericht des Innenministeriums hat der Umzug so viele Versetzungen zur Folge, dass wertvolles Sachwissen verloren geht.

Viele der ursprünglich für den Umzug eingeplanten Mitarbeiter wollen nun doch nicht nach Fürth wechseln, außerdem war ohnehin eingeplant, dass viele Mitarbeiter neue Jobs bei anderen Behörden in München finden. "Dies und die Verlagerungen nach Fürth haben zur Folge, dass in Einzelfällen Sachgebiete fast vollständig mit neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern besetzt werden müssen und somit jahrzehntelange Erfahrungen ganzer Sachgebiete verloren gehen", heißt es in dem Papier, das der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. "Was auch dazu führen kann, dass Aufgaben nicht mehr vollumfänglich erfüllt werden können."

Loibl: "Nicht erkennbar"

Gunnar Loibl, Pressesprecher des Landesamt für Statistik, kann die Aufregung nicht ganz nachvollziehen. Der Weidener, der seit Oktober in Fürth arbeitet und täglich mit dem Zug pendelt, meinte im Gespräch mit unserer Zeitung: "Natürlich ist eine solche Verlagerung mit Schwierigkeiten verbunden, aber bisher ist nicht erkennbar, dass es zu signifikanten Schwächungen der Leistungsfähigkeit des Amts gekommen wäre."

Die Fakten: 160 Mitarbeiter befinden sich bereits in Fürth, davon etwa ein Viertel aus München. Der Rest wurde laut Loibl entweder aus der Region neu eingestellt oder aus "Zensus-Personal" übernommen. Pro Jahr sollen Aufgaben für 50 bis 85 Personen verlagert werden, je nach Baufortschritt. Der Umzug soll bis zum Jahr 2019 beendet sein. Ursprünglich waren vom Verlagerungbeschluss in München rund 540 Mitarbeiter betroffen. Abzüglich "des umzugsbereiten Personals, anderweitig Versetzter sowie durch natürliche Fluktuation ausscheidenden Mitarbeitern" werden nach Angaben von Loibl am Ende rund 180 Beschäftigte übrig bleiben, die dann in München bei anderen Behörden untergebracht werden müssen.

Die Opposition im Landtag zeigt sich jedenfalls besorgt: "Es wird viel Spezialwissen auf der Strecke bleiben, das sich auch durch Nachschulungen neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht ohne weiteres ersetzen lässt", kritisierte Grünen-Haushaltsexpertin Claudia Stamm. Die Schwierigkeiten im Landesamt seien keine Überraschung.

Aus Fehlern lernen

Die Behördenverlagerungspläne seien wichtig für das Ziel gleichwertiger Lebensverhältnisse in ganz Bayern, meinte Landtags-Vizepräsident Peter Meyer (Freie Wähler). "Die Probleme beim Umzug des Landesamtes zeigen bereits jetzt, welches Chaos bei Söders Ämterwanderung droht, falls der Minister aus diesen früheren Fehlern nicht lernt." (Angemerkt)
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