Tugce-Prozess rückt näher

Die Anteilnahme am Tod der Studentin Tugce Albayrak war groß. Bild: dpa

Tugce wurde als Heldin und als Vorbild für Zivilcourage gefeiert. Zweieinhalb Monate nach dem tödlichen Prügelangriff auf die junge Studentin ist jetzt Anklage gegen den mutmaßlichen Täter erhoben worden. Experten warnen vor voreiligen Schlüssen.

Tugces Schicksal berührte Millionen. Die 22 Jahre alte Studentin wurde im Morgengrauen des 15. November auf dem Parkplatz eines Fast-Food-Lokals in Offenbach Opfer einer tödlichen Prügelattacke. Kurz zuvor soll sie zwei Mädchen in dem Imbiss zur Hilfe geeilt sein, die von jungen Männern bedrängt wurden, darunter der mutmaßliche Täter. Sanel M. (18) sitzt seither in Untersuchungshaft. Jetzt ist er wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt. Wann der Prozess vor dem Jugendgericht in Darmstadt beginnt, ist offen. Beobachter rechnen damit, dass es noch Wochen dauern wird.

Fachleute warnen schon länger vor voreiligen Schlüssen. "Das Gericht hat jetzt die schwierige Aufgabe, unabhängig von der Berichterstattung genau zu klären, was im Einzelnen passiert ist, und sich ein möglichst umfassendes Bild von der Tat und dem Täter zu machen", sagt die Vorsitzende der Deutschen Vereinigung für Jugendgerichte und Jugendgerichtshilfen (DVJJ), Theresia Höynck.

Seit der Tatnacht geht es in den Medien und den sozialen Netzwerken immer wieder um die Gewalttat, ihre Hintergründe und den mutmaßlichen Täter. Tugce wurde als "Heldin" gefeiert, als "Engel" und "Vorbild". Ihr Mut wurde gelobt, mit dem sie den Streit geschlichtet haben soll.

Videobilder undeutlich

Ein grobkörniges Video vom Parkplatz gelangte an die Öffentlichkeit und soll die fatalen Momente zeigen. Darauf ist zu sehen, wie die Begleiter versuchen, die Wut des Beschuldigten zu bändigen. Die Situation scheint eigentlich beruhigt, als Tugce den Parkplatz betritt. Dann sieht es so aus, als gehe der Schläger auf sie zu und hole aus, als stürze sein Opfer und bewege sich nicht mehr.

Tugce prallte nach den bisherigen Ermittlungen mit dem Kopf auf den Asphalt auf, sie fiel ins Koma. Knapp zwei Wochen später, an ihrem 23. Geburtstag, wurden die lebenserhaltenden Maschinen abgeschaltet.

Vor dem Offenbacher Klinikum versammelten sich etwa 1500 Menschen. Auf Facebook und Twitter bekundeten Zehntausende ihre Anteilnahme. Kommunalpolitiker wollen in Offenbach eine Brücke nach der jungen Studentin benennen. Eine Petition für das Bundesverdienstkreuz unterzeichneten mehr als 215 000 Menschen. Auch der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan sprach den trauernden Eltern sein Beileid aus. "Die Familie ist froh, dass es jetzt bald los geht und die Spekulationen aufhören", sagte Anwalt Macit Karaahmetoglu.
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