Turnhalle erneut Zufluchtsort

Regensburger Clermont-Ferrand-Schule wird zum zweiten Mal zur Notunterkunft für Asylbewerber.

Routiniert haben Helfer am Samstag Betten, Tische und Sichtschutzwände in der Turnhalle der Clermont-Ferrand-Schule aufgebaut. Es ist bereits das zweite Mal, dass hier kurzfristig bis zu 200 Asylbewerber unterkommen. Oberbürgermeister Joachim Wolbergs (SPD) will die Flüchtlinge wie Bürger der Stadt behandeln.

Müllers Winternotfallplan

Die Fluchtwelle aus dem Kosovo hat dafür gesorgt, dass Bayerns Sozialministerin Emilia Müller (CSU) den sogenannten Winternotfallplan aktivierte: In der Oberpfalz wurde diesem Plan folgend zunächst die leerstehende Stadthalle in Cham mit Flüchtlingen gefüllt, als zweiter Unterbringungsort soll nun für sechs Wochen die Turnhalle der Clermont-Ferrand-Schule in Regensburg dienen. Voraussichtlich am Mittwoch werden die ersten Flüchtlinge eintreffen, sagte Oberbürgermeister Wolbergs am Samstag bei einem Rundgang durch die Räumlichkeiten.

"Wir behandeln jeden Flüchtling wie einen Mitbürger der Stadt", betonte Wolbergs. An diesem Prinzip halte er fest - unabhängig von der politischen Diskussion über den Flüchtlingsstrom aus dem Kosovo. Es gebe zwar einen Unterschied zu Flüchtlingen aus schweren Krisengebieten wie Syrien. Aber auch die ankommenden Kosovaren seien in einer schwierigen Lebenssituation oder würden mit ihrer Flucht die Chance auf ein besseres Leben verbinden. "Es ist nicht unsere Aufgabe, das zu beurteilen. Wir müssen uns jetzt um die Menschen kümmern."

Dafür kann Wolbergs auf ein mittlerweile erfahrenes Team von Mitarbeitern der Stadtverwaltung sowie Vertretern von Rettungs- und Hilfsorganisationen zurückgreifen. Ihre Arbeit bezeichnete er als "sensationell". Wolbergs erneuerte seinen Appell an die Arbeitgeber der ehrenamtlichen Helfer, bei Freistellungen kulant zu sein. Besonders dankte er der Leitung der Clermont-Ferrand-Schule für die Bereitstellung der Turnhalle, die für fünf bis sechs Wochen für den Schulbetrieb und den Vereinssport geschlossen bleibe. "Die Schule steht voll hinter der Aktion."

Ablauf nach Ankunft

Jürgen Eder, Kreisbereitschaftsleiter des Roten Kreuzes, erklärte den Ablauf nach der Ankunft der Asylbewerber: Noch vor dem Einlass in die Turnhalle werden die Flüchtlinge registriert und kurz ärztlich untersucht. In der Turnhalle bekommen sie einen Schlafplatz zugewiesen und erhalten Hygieneprodukte sowie auf die jeweilige Ethnie abgestimmtes Essen. Bei Muslimen wird etwa darauf geachtet, dass kein Schweinefleisch auf den Tisch kommt. Obst, Gemüse und Schokoriegel stehen den Menschen jederzeit zur Verfügung, daneben gibt es, von einem Cateringservice geliefert, drei Hauptmahlzeiten pro Tag.

Viel Privatsphäre haben die Flüchtlinge in der Turnhalle nicht. Mit Sichtschutzwänden sind Schlaf- und Essbereich abgetrennt. Familien mit Kindern schlafen wenn möglich getrennt von alleinstehenden Flüchtlingen. 30 Duschen stehen den Asylbewerbern zur Verfügung, auch Waschmaschinen stehen bereit. Für eine soziale Betreuung und ein Sportprogramm ist gesorgt.

Zunächst bräuchten die ankommenden Menschen erfahrungsgemäß aber vor allem eines, meinte Wolbergs: Ruhe.
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