Typologie der Jogginghosenträger
Ein ganzer Tag in Jogginghose

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Wer es gern bequem hat, mag die Jogginghose, so viel scheint klar. Umso irritierender, dass das gemütliche Beinkleid mittlerweile auch in der Mode-Welt seine Nische gefunden hat. Wer trägt also wann und warum Jogginghose? Eine Typologie zum «Internationalen Jogginghosentag».

Berlin. (dpa) Dieses Kleidungsstück ist superbequem: die Jogginghose. Viele ziehen sie nur zum Sport oder zu Hause an. Manch einer trägt sie aber auch in der Schule oder auf der Arbeit. Einige Leute finden, das sollten viel mehr Menschen machen. Deswegen haben sie vor ein paar Jahren einen Aktionstag für die Sportklamotte ausgerufen: den Internationalen Tag der Jogginghose.

Dieser Tag findet ein Mal im Jahr statt, meist am 21. Januar. Im Internet wird dazu aufgerufen, an diesem Tag keine Jeans oder normalen Hosen anzuziehen. Die Menschen sollen in der Schule, bei der Arbeit und überall sonst bequeme Jogginghosen tragen. Auch abends beim Kuscheln auf dem Sofa. Das passt ganz gut. Denn am 21. Januar ist noch ein verrückter Tag: der Weltknuddeltag.


Das deutsche Butterbrot, Tiefkühlkost, verlorene Socken - alles auf diesem Erdball hat anscheinend einen eigenen Gedenktag. Die Jogginghose macht da mit dem «Internationalen Jogginghosentag» an diesem Mittwoch keine Ausnahme. Man mag das für Quatsch halten oder nicht - es bietet Gelegenheit, mal über den typischen Jogginghosenträger nachzudenken. Gibt es den überhaupt?

Der Gemütliche

Lockerer Bund, weite Beine, oft schon ein bisschen fleckig an manchen Stellen: zu Hause lümmeln sich Tausende in der Jogginghose vor dem Fernseher. Für sie ist der Schlabberlook der Inbegriff von Feierabend und Entspannung. Zugleich leben sie eine Art geheimes Doppelleben. Vor die Tür mit dem geliebten Kleidungsstück? Niemals.

So wie Till Brönner (43). «Ich bin der Typ, der sie trägt, wenn mich keiner sieht», sagt der Jazztrompeter. Seine Jogginghose darf immerhin mit ins Studio. Derlei Skeptikern springt die Präsidentin des Bundesverbandes Farbe Stil Image zur Seite. «Wer eine Jogginghose bei offiziellen Anlässen trägt, braucht sicherlich ein gesundes Selbstbewusstsein», sagt Petra Schreiber.

Der Modische

Jogginghose ist ja nicht gleich Jogginghose, sagen Modeexperten. «Heute spricht man von der «Lounge-Pant» oder der «Jog-Pant», erläutert der Geschäftsführer des Deutschen Mode-Instituts, Gerd Müller-Thomkins. Die Rede ist von modisch aufgehübschten Glamour-Modellen des Sport-Klassikers aus feinen Stoffen. Bereits im vergangenen Jahr ließen sie viele Designer über die Laufstege marschieren. Und der Trend hält an, wie zum Beispiel gerade auf den Mailänder Männerschauen («Milano Moda Uomo») zu sehen war.

«Diese Hosen sind eigentlich ein Hybrid: Zwischen hochaktueller Mode und Sportbekleidung, die Aktivität zum Ausdruck bringt», sagt Müller-Thomkins. Wer sie trägt, lebt den Großstädtertraum: Arbeit, wenn möglich kreativ, entspanntes Lebensgefühl, durchtrainierter Bauch. Noch ist das ein eher urbaner Typ. «Aber sehr bald werden Sie «Lounge-Pants» auch auf dem Wühltisch bei Aldi finden», sagt Müller-Thomkins.

Der Pragmatische

Hip oder schlabbrig - mit dem Gelehrtenstreit um die Jogginghose kann mancher wenig anfangen. Der Pragmatiker trägt die Hose, wenn es passt, auch in der Öffentlichkeit. Und das vor allem, wenn es um Sport geht. Dann muss eine Jogginghose auch nicht den Weg zum mächtigsten Chefsessel der Welt verbauen. Am Rande eines Basketballspiels wurde US-Präsident Barack Obama schon im Sportoutfit abgelichtet. Artverwandt ist die Gruppe der Gleichgültigen. «Sie greifen zur Jogginghose, weil sie bequem ist und davon entbindet, sich große Gedanken über das Outfit zu machen», sagt René Lang, Präsident des Netzwerkes deutscher Mode-und Textildesigner. Da ist es auch egal, was die hippen oder heimlichen Jogginghosenfans denken.