Überforderte Lehrer, traumatisierte Flüchtlinge: Schulexperte fordert bessere Betreuung an ...
Für jede Schule einen Psychologen

Angesichts vieler junger Flüchtlinge an bayerischen Schulen fordert ein Nürnberger Pädagogik-Experte den verstärken Einsatz von Psychologen an Schulen.

"Man bräuchte im Grunde an jeder Schule eine schulpsychologische Beratung. Einerseits für die Flüchtlinge, die fast alle in irgendeiner Weise traumatisiert sind. Andererseits aber auch für die Lehrer, die oft mit dieser Situation überfordert sind", sagte Bernhard Jehle, Leiter des Instituts für Pädagogik und Schulpsychologie Nürnberg (IPSN), der dpa. Im September hat das IPSN gemeinsam mit dem Integrationsbeirat und der Stadt ein Pilotprojekt an Nürnberger Berufsschulen gestartet: Flüchtlingen und deren Lehrern steht dort jetzt eine Schulpsychologin zur Verfügung, die direkt in die Klassen geht. "Das ist bayernweit einmalig", sagte Jehle. Er sei sehr gespannt auf die ersten Erfahrungen.

Neben der psychologischen Betreuung hält Jehle an den Schulen sprachsensiblen Unterricht für immer wichtiger. "Die Frage lautet heute: Wie kann ich als Lehrer Fachwissen in einer Klasse vermitteln, in der eben nicht nur Deutsche sitzen?"

Am IPSN wird das mit Lehrern trainiert: "Der Mathelehrer muss dann zum Beispiel eine Deutschaufgabe und der Deutschlehrer eine Matheaufgabe erklären." An dem Pädagogik-Institut läuft auch ein laut Jehle bundesweit einmaliges Migrationsprojekt: Sogenannte "Elternlotsen" gehen mit Migrantenfamilien zu Elternabenden und Elterngesprächen und übersetzen. "Dabei geht es gar nicht so sehr um die 1:1 Sprachübersetzung, sondern eher darum zu erklären, wie unser mehrgliedriges Schulsystem überhaupt funktioniert." Knapp 30 Sprachen decken die ehrenamtlichen Lotsen mittlerweile ab.
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