Überlegungen für Nutzung mit US-Armee
Rettungsversuche für eine Klinik

Bundeswehrkrankenhaus Amberg - wohin? (Bild: Alexander Unger)
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Deutschland und die Welt
16.04.2004
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Die Diagnose fürdas Bundeswehrkrankenhaus Amberg ist schlechter, als offiziell beteiligte Stellen einräumen wollen. Als Klinik mit einer Vielzahl von Betten besteht offenbar kaum eine Überlebenschance für das Haus. Wohl aber mit einer neuen Ausrichtung, wie ein Experte sagt.

Kranke Soldaten gehören in ein Krankenhaus der Bundeswehr. Theoretisch. Die flächendeckende Versorgung von Truppenteilen können die acht Krankenhäuser aber schon heute nicht leisten. Der Rekrut in Bad Reichenhall mit akuter Blinddarmentzündung kommt deshalb ins nächste zivile Krankenhaus anstatt nach Amberg als einziges Truppenhospital in Bayern.

So schiebt sich mehr und mehr die Versorgung von verletzten Soldaten in Auslandseinsätzen in den Vordergrund. Dafür reichen wenige, zentral gelegene Kliniken. Die Auslandsoperationen haben noch einen zweiten Effekt: Ärzte und Sanitäter sind mit im Einsatz, inzwischen in zwei großen Missionen auf dem Balkan und zusätzlich in Afghanistan. Die Bundeswehr will die Zahl ihrer Einrichtungen vor diesem Hintergrund reduzieren.

Über 150 Betten in der Oberpfalz hält ein Experte, der nicht genannt werden will, daher für "absolut unsinnig". Vor allem bei der Nähe zu umliegenden Akut-Krankenhäusern, die mit den Bundeswehr-Ärzten im Wettbewerb um Privatpatienten stehen. "Ich gehe davon aus, dass die schließen", sagt der Insider über Amberg. Allerdings schlägt er eine neue Verwendung vor, etwa als gemeinsames Ambulanzzentrum deutscher und amerikanischer Streitkräfte. Oder in Absprache mit umliegenden Kliniken als Akutkrankenhaus, das über einen Hubschrauber-Landeplatz verfüge. Oder als Zentrum für so genannte "kleine operative Fächer" bzw. als Spezialklinik für plastische Chirurgie.

Abstimmung mit den USA

Von Nutzungsänderungen wollen Politiker noch nichts wissen, allerdings spielen auch sie die amerikanische Karte aus. Walter Kolbow, Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium, verweist auf eine Übereinkunft der Verteidigungsminister beider Länder, die "Vorstellungen über Standorte eng miteinander abzustimmen". Die US-Armee will eine Panzerbrigade nach Grafenwöhr verlegen, unterhält aber bisher nur eine relativ kleine Ambulanz.

Verena Wohlleben aus Röthenbach an der Pegnitz, für die SPD Mitglied im Verteidigungsausschuss, bläst ins selbe Horn: "Wenn Grafenwöhr ausgebaut wird, wovon ich ausgehe, können wir nicht ringsum Einrichtungen schließen. Das wäre ein Schildbürgerstreich." Der Amberg-Sulzbacher Landrat Armin Nentwig schlägt für die Region ein "Einsatzzentrum" vor, "von wo aus man Truppen international schnell verlegen kann". In dieses Konzept passe auch ein international betriebenes Militärhospital. Für 28. April ist ein Besuch von Verteidigungsminister Peter Struck in Amberg geplant. Nentwig: "Ich habe ein Stück Hoffnung, wenn der Minister kommt, dass man mit ihm reden kann."


DAS BUNDESWEHRKRANKENHAUS AMBERG
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