Uherský Brod trauert um Opfer des Amoklaufs - Täter war bereits auffällig geworden
Warum ausgerechnet hier?

Die Menschen in Uherský Brod sind nach dem Amoklauf mit neun Toten in tiefer Trauer. Bild: dpa
Eine Kleinstadt unter Schock: In Uherský Brod wird am Tag nach dem Amoklauf der Opfer gedacht. Für den Bürgermeister ist es die "größte Tragödie, die unsere Stadt je erlebt hat". Ein als "verrückt" eingeschätzter Einzeltäter tötete am Dienstag acht Menschen und sich selbst. Offenbar wahllos schoss der 62-Jährige in dem Lokal um sich.

"Wie konnte das ausgerechnet hier bei uns passieren?" - Das ist die wohl am häufigsten zu hörende Frage unter den Hunderten Trauernden, die sich am Mittwoch vor dem weiträumig abgeriegelten Restaurant "Družba" im tschechischen Uherský Brod zum Gedenken an die Opfer des Amoklaufs versammelt haben.

Bereits vorher Drohungen

Der Täter und seine Frau sollen in der Nachbarschaft schon lange als "auffällig" gegolten haben, erzählen Stadtbewohner in den Medien. Eine Unterschriftensammlung, mit der Nachbarn die Behörden auffordern wollten, etwas gegen wiederholte Drohungen des Paares zu unternehmen, sei aus Angst vor Rache abgebrochen worden.

Am Tag nach der Schreckenstat herrschen in der eher verschlafenen Kleinstadt noch immer Fassungslosigkeit und Ungewissheit. Noch immer sei von den Behörden keine offizielle Namensliste der Opfer veröffentlicht worden, kritisieren einige Teilnehmer des Gedenkens. So wisse man nicht, was aus Bekannten geworden sei, die man seit dem Abend nicht mehr kontaktieren könne.

Ein älterer Herr namens Jirí berichtet der Deutschen Presse-Agentur, sein Sohn sei zum Tatzeitpunkt im Restaurant gewesen: "Er hat sich zuerst unter einem Tisch versteckt und konnte dann aus dem Lokal flüchten. Ich habe geweint vor Freude, dass ich ihn lebend wiedersehen konnte. Für uns ist es, als wäre er ein zweites Mal geboren. Aber für ihn selbst, einen jungen Mann, ist das ein Trauma, das er sein ganzes Leben mit sich herumtragen wird."

Um seine getötete Kollegin, die er am Abend der Tat hätte ablösen sollen, trauert der Kellner Martín Pollak: "Noch bevor ich mich auf den Weg zur Arbeit machte, haben mich Freunde angerufen und mir erzählt, was passiert ist. Ich kann mir nicht vorstellen, wie ich hier jetzt weiterarbeiten soll." Er wohne nur 200 Meter vom Täter entfernt. "Seine Frau ... war immer sehr eigenartig und aggressiv, aber niemand hat die beiden so ernst genommen, dass man mit so einer Tat gerechnet hätte."
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