Umfrage: Jeder zweite für Benimm-Kurse an Schulen - Kritik an "unnützem" Lehrstoff
Bald Noten für Benehmen?

Höflich die Hand vor dem Sprechen zu heben, soll künftig nur eine von vielen gelernten Benimmregeln in der Schule sein. Bild: dpa

Schüler lernen "zu viel unnützes Zeug" - und "Benehmen" sollte ein Unterrichtsfach werden: Dieser Meinung ist laut Umfrage eine klare Mehrheit der Bürger in Deutschland, wie die am Montag veröffentlichte Befragung des Institutes You Gov ergab. 54 Prozent sind der Ansicht, dass die Qualität des Unterrichts in ihrer Jugend besser war.

Ähnlich viele (52 Prozent) meinen, dass Schüler heutzutage überfordert werden und kaum noch Zeit und Energie für Hobbys haben. Auf ein Pflichtfach "Benehmen" legen nur 33 Prozent der Befragten zwischen 18 und 24 Jahren Wert - mit zunehmendem Alter jedoch immer mehr und schließlich 61 Prozent der Menschen ab 55 Jahren. Der Vorsitzende des Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, sagte: "Natürlich ist die Werterziehung eine wichtige Aufgabe." Wie die Achtung vor dem Mitmenschen, Höflichkeit, Rücksichtnahme.

"Allerdings sind hier in erster Linie die Eltern gefragt." Wenn Eltern als Vorbilder ausfielen, "oder auch die Gesellschaft zunehmend vorlebt, wie man mit Ellbogen und ohne Rücksichtnahme seine Ziele erreicht, ist auch Schule weitgehend machtlos", so Meidinger. "Man kann auch nicht jeden gesellschaftlichen Missstand durch ein neues Schulfach bekämpfen. So viele Stunden hat der Tag nicht, die man dafür bräuchte."

Sehr plakativ hatte die Kölner Schülerin Naina (17) ihren Ärger über heutige Lerninhalte per Twitter verbreitet. "Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern und Miete oder Versicherungen. Aber ich kann 'ne Gedichtsanalyse schreiben. In vier Sprachen": Damit fand Naina ein Riesen-Echo. Neben Spott und Kritik aber auch Gehör in der Politik.
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