Ungeliebtes Geld

SPD-Fraktionsvorsitzender Markus Rinderspacher. Archivbild: dpa

Das Betreuungsgeld wird gern genommen - doch halten es Bayerns Bürger auch für sinnvoll? Dies darf nach einer neuen Umfrage bezweifelt werden, auch wenn diese im SPD-Auftrag erstellt wurde.

SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher hat die Staatsregierung aufgefordert, von ihren Pläne zur Einführung eines bayerischen Betreuungsgeldes Abstand zu nehmen und stattdessen den Ausbau von Kindertagesstätten zu forcieren. Er stützte sich dabei auf ein Umfrage der Meinungsforscher von TNS-Infratest. Auf die Frage, ob der Freistaat das Bundesbetreuungsgeld in eigener Regie weiterführen oder das dafür vorgesehene Geld besser in den Ausbau der Kinderbetreuung investieren soll, sprachen sich nur 28 Prozent der Bayern für das Betreuungsgeld aus. 63 Prozent plädierten für zusätzliche Kita-Plätze. 4 Prozent der Befragten wollen das Geld anderweitig nutzen, weitere 5 Prozent waren sich nicht schlüssig.

Ablehnung bei Jungen

Die niedrige Zustimmung zum Betreuungsgeld zog sich mit leichten Schwankungen durch alle Bevölkerungsschichten in Bayern, auch regional waren die Unterschiede gering. Auffälligster Wert der Umfrage ist, dass vor allem junge Bayern wenig vom Betreuungsgeld halten. Nur 19 Prozent der 18- bis 29-Jährigen sprachen sich für die Familienleistung aus. Mit 36 Prozent den größten Zuspruch fand sie bei den über 60-Jährigen. Überdurchschnittliche Zustimmung erfuhr das Betreuungsgeld bei den Beziehern niedriger Einkommen unter 1500 Euro im Monat. Hier lag die Zustimmung aber auch nur bei 32 Prozent.

Rinderspacher sah sich durch die Umfrage in seinen familienpolitischen Forderungen gestärkt. "Den Eltern geht es in aller erster Linie um eine bessere Vereinbarkeit von Familienleben und Beruf", folgerte er aus den Daten. Es müssten in Bayern deutlich mehr Krippenplätze mit flexibleren Öffnungszeiten entstehen, zudem müsse die frühkindliche Bildung qualitativ verbessert werden. Er verwies darauf, dass Bayern bundesweit nach wie vor den größten Nachholbedarf beim Krippenausbau für unter Dreijährige habe.

Im vergangenen Jahr sei die Versorgungsquote so gering angestiegen wie in keinem anderen Bundesland, und das, obwohl der Freistaat ohnehin Schlusslicht sei. "Die Staatsregierung hatte vollmundig eine Aufholjagd angekündigt, tatsächlich ist der Abstand zu den anderen Ländern noch größer geworden", kritisierte Rinderspacher. Nach Zahlen des Deutschen Jugendinstituts fehlen in Bayern rund 20 000 Krippenplätze. Die Versorgungsquote bei den 0- bis 3-Jährigen liege bei 28 Prozent, der Bedarf dagegen bei 41 Prozent. Der SPD-Fraktionschef forderte zudem, den bayerischen Betreuungsschlüssel von einer Erzieherin für vier Krippenkinder auf das bundesweite Niveau von 1:3 zu erhöhen. Die Kosten für den qualitativen und quantitativen Ausbau der Krippenbetreuung bezifferte er auf 500 Millionen im Jahr. Das Betreuungsgeld kostet nach Angaben der Staatsregierung rund 230 Millionen Euro jährlich. "Weil wir jeden Euro nur einmal ausgeben können, sollten wir jetzt das tun, was eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung will", bilanzierte Rinderspacher.

"Echte Wahlfreiheit"

Sozialministerin Emilia Müller (CSU) ließ sich von der Umfrage nicht be-irren. Die Staatsregierung setze weiter sowohl auf den Ausbau der Kinderbetreuung als auch das Betreuungsgeld. Nur so könne es für die Familien "echte Wahlfreiheit" zwischen Berufstätigkeit und Kinderbetreuung zu Hause geben.
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