Unter Verdacht, aber in Freiheit

Monatelang gab es keine heiße Spur im Fall Dieter Loew. Jetzt werden die getrennt lebende Ehefrau Silvia L. und ihr Partner, der 26-jährige Polizist Tobias S. als Täter verdächtigt. Die beiden erheben ihrerseits schwere Vorwürfe gegen die Ermittler.

Wernberg-Köblitz. Die Tat erschütterte die Region: Der 76-jährige Dieter Loew war am 22. Dezember 2014 in seinem Haus in der Graf-Schall-Straße so schwer misshandelt worden, dass er einen Monat später seinen Verletzungen erlag. Die "Einsatzgruppe Wernberg" der Kripo Amberg ermittelte auf Hochtouren.

Nun rückte am vergangenen Donnerstag ein Großaufgebot an Polizisten an, durchsuchte "Häuser, Wohnungen und Liegenschaften in Weiden, Wernberg-Köblitz und anderen Orten sowohl von den beiden Tatverdächtigen als auch von Dritten", so Oberstaatsanwalt Thomas Strohmeier. Laut Strohmeier wurden Gegenstände und Dokumente sichergestellt, bei denen nicht auszuschließen sei, "dass sie eine gewisse Verbindung zum Tatanwesen haben". Im Fokus stehen nach den Worten Strohmeiers "zwei Personen aus dem engen sozialen Umfeld" des Mordopfers. Ermittelt wird wegen Mordes und schwerem Raub mit Todesfolge.

Derzeit "gibt es aber keinen Haftbefehl, befinden sich die beiden Verdächtigen auch nicht in U-Haft", bestätigt Strohmeier. Der Tatverdacht habe jedoch den Durchsuchungsbeschluss gerechtfertigt. Er verweist auf die nun beginnende Auswertung des sichergestellten Materials und rechnet damit, dass die kriminaltechnischen Untersuchungen "eher Monate als Wochen" dauern können.

"Mehr Spuren gelegt"

Ins Visier der Ermittler sind die getrennt lebende Ehefrau des Opfers, Silvia L. und ihr Lebensgefährte, der Polizist Tobias S. geraten. Die beiden Verdächtigen gehen in die Offensive. Silvia L. erhebt schwere Vorwürfe gegen Kripo Amberg, Staatsanwaltschaft und Landgericht. Sie hat inzwischen einen Anwalt eingeschaltet, "dokumentiert Ermittlungspannen". Ihrer Ansicht nach hätten die Ermittler am Tatort "mehr Spuren gelegt oder vernichtet, als sie der Aufklärung dienten". Dann sei ihr Haus drei Monate versiegelt worden. Sie habe den Ermittlern gegenüber bereitwillig über sämtliche finanzielle, wirtschaftliche und familiäre Angelegenheiten Auskunft gegeben, um zur Aufklärung beizutragen. Silvia L. ist der Meinung, dass ihre Auskünfte "verdreht wurden, um eine Begründung für die Ermittlungen und Durchsuchungen zu haben. Es gibt keinen Anhaltspunkt, um uns der Tat zu bezichtigen", betont die in Österreich lebende 52-Jährige. "Sonst wären wir doch in Untersuchungshaft".

Beide bezeichnen ihre "neun- und elfstündige Vernehmung" am zweiten Weihnachtsfeiertag als rechtswidrig. Silvia L. schrieb auch Briefe mit Schadenersatzforderungen. So seien "der Boden durch den Einsatz von Chemikalien bei der Spurensicherung beschädigt, der Teich vernichtet". Erst am Montag wurde das Haus wieder frei gegeben. Die drei Tage später folgenden Beschlagnahmungen und Durchsuchungen kämen ihr wie eine "Retourkutsche" vor.

Oberstaatsanwalt Strohmeier setzt den Vorwürfen die aufwendige Spurensicherung und Auswertung entgegen. Sie habe nicht länger als erforderlich gedauert: "Die Spezialkräfte des LKA stehen uns nicht mit einem Fingerschnippen zur Verfügung." Strohmeier verweist auch auf die gesetzliche Regelung auf Entschädigungsansprüche in einem Strafverfahren. Zur kritisierten Vernehmung stellt er fest, dass der Mann damals als Zeuge vernommen worden sei.

Vorwürfe zurückgewiesen

Das Polizeipräsidium spricht von äußerst aufwendigen und umfangreichen Ermittlungsarbeiten. Es hätten sich Verdachtsmomente ergeben, die auf die mögliche Tatbeteiligung der beiden Genannten schließen lassen. Der Polizeibeamte, in Oberbayern tätig, ist vom Dienst suspendiert. "Einzelheiten zum Stand der Ermittlungen, insbesondere Erkenntnisse aus den Durchsuchungen, sind aus taktischen Überlegungen heraus derzeit nicht möglich." Verwiesen wird darauf, dass am Tatort in der ersten Einsatzphase "lebensrettende Maßnahmen im Vordergrund standen". Im Anschluss sei die akribische Spurensicherungs- und Ermittlungsarbeit der Kripo Amberg im bei Kapitalverbrechen üblichen Umfang erfolgt: "Vorwürfe von seiten der Beschuldigten weist die Polizei zurück und nimmt zum jetzigen Zeitpunkt bewusst nicht öffentlich Stellung dazu."
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