Urlaub damals und heute - Wenn Generationen aufeinander prallen
Endlich Ferien!

Jetzt beginnt für viele die schönste Zeit des Jahres: Koffer packen und ab in die Berge oder ans Meer - Hauptsache den eigenen vier Wänden entfliehen und was anderes sehen bzw. erleben.

Heutzutage ist das eine Selbstverständlichkeit, früher war dies wegen des Krieges und Geldmangels nur ein lange gehegter Traum. Und als der verdiente Urlaub dann zum Greifen nah war, wurde Deutschland durch den Bau der Mauer im August 1961 gewaltsam geteilt.

Doch wie hat eigentlich das Turmblick-Land seine Ferien damals wie heute verbracht? Welche Unterschiede gibt es und inwieweit unterscheiden sich die Generationen voneinander?

Ein 83-jähriger Mann, wohnhaft in Freihung, erinnert sich an eine Zeit, die alles andere als rosig war. Aufgewachsen ist er im Böhmerwald auf einem Bauernhof, den seine Eltern betrieben haben. "Direkte Ferien hat es damals nicht gegeben. Die Landwirtschaft hatte Vorrang und wir Kinder mussten mitarbeiten, ob wir wollten oder nicht", erinnert er sich an die damalige schulfreie Zeit.

Schon von klein auf musste er Heu machen und Getreide fahren. "So ein, zwei Stunden hatten wir dann schon mal frei gehabt. Dann habe ich mich mit Schulkameraden an dem Fluss Flanitz getroffen und Fische, Krebse und Muscheln beäugt.

Auch die angestauten Mühlbäche wurden von uns erkundet. Denn wir wollten verstehen, wie die Mühlräder laufen", erzählt er von seinen "Ferien". Der Wald war sein zweites Zuhause. Oft war der Junge zum Schwarzbeeren und Himbeeren sammeln dort. Da sein Vater als Holzhauer tätig war, musste er ab und zu einen halbstündigen Fußmarsch hinlegen, um ihm sein Mittagessen zu bringen.

"Mein Großvater hatte zehn Bienenvölker, oft hat er mich mit genommen, auch als weitere Arbeitskraft." In seiner Kindheit hatte der Senior weder Bücher noch ein Fahrrad. "Ich habe mich in Natur, Wald und Wiesen aufgehalten, etwas anderes gab es damals nicht", stellt er klar.

Als dann im Jahre 1944 Tiefflieger und Bomber über seine Heimat geflogen sind, hat er es "schon mit der Angst zu tun bekommen." Ein Luftangriff habe sogar zum Tod der Fische geführt, da die Flanitz voller Öl gelaufen sei, welches von der zerstörten Tankstelle in den Fluss sickerte.

Im Frühjahr 1945 wurde dann die Schule geschlossen, da auf den Sportplatz Bomben geworfen wurden. "Ich war damals so 13, 14 Jahre alt. Wir mussten dann die Landwirtschaft weiter machen und uns selbst versorgen, da die Nahrungsmittel knapp geworden sind. Den Rest mussten wir abliefern", so beschreibt der Rentner die Kriegszeit.

Im selben Jahr ist sein Großvater verstorben und bei der Beerdigung sind Tiefflieger 300 Meter neben ihnen geflogen, da dort die Bahnlinien waren. Der Pfarrer habe sich unglaublich beeilt und somit sei dies das kürzeste Begräbnis seines Lebens gewesen.

Die Schule blieb dann noch bis Juli 1946, also mehr als ein Jahr lang, geschlossen. "Ein Entlassungszeugnis hatte ich nicht, da nach der Wiedereröffnung Deutsche nicht mehr in die Schule gehen durften. Noch im selben Monat wurden wir ausgewiesen", sagt er.

"Unsere Landwirtschaft wurde von den Tschechen übernommen. Mit 50 Kilo Gepäck mussten wir gehen. Der Transport ging über Furth im Wald nach Ebersbach. Zuerst hausten wir in einer Notunterkunft, bis mein Vater wieder als Holzhauer tätig war und wir in Miete in Bayern leben konnten", berichtet der belesene Mann. In der Vilsecker Schule hat er dann in nur sechs Monaten seine Schulausbildung abgeschlossen. Im Anschluss daran, hat er eine Lehre zum Maurer begonnen.

Nun ja, wirklich Ferien waren das wohl damals nicht. Früher war es Gang und Gäbe, auf dem Hof oder Zuhause mitzuarbeiten. Oftmals fehlte das nötige Kleingeld, um eine Fahrt in die Berge zu unternehmen. Wirft man einen Blick auf die aktuelle Lage der Deutschen, dann sieht die Feriengestaltung der Kinder und Jugendlichen heute ganz anders aus.

Der zwölfjährige Laurenz Heldrich aus Edelsfeld erzählt beispielsweise: "Ich fahre im August zusammen mit meiner Familie von Kiel aus mit dem Schiff nach Oslo. Ich bin schon sehr gespannt, wie meine erste Mini-Kreuzfahrt verläuft. Danach genieße ich noch die Zeit mit meiner Familie Zuhause."

Und weiter: "Anschließend zelte ich mit der evangelischen Dekanatsjugend Sulzbach-Rosenberg in der Jugendfreizeitstätte in Weißenberg. Dort war ich schon letztes Jahr und freue mich auf die christlichen Geschichten und die Spiele. Da gibt es zum Beispiel British Bulldog - eine verschärfte Form des Fangspiels Schwarzer Mann. Bei einer hoffentlich lauen Sommernacht wird dann auch ein Lagerfeuer entzündet und Stockbrot gebacken."

Ansonsten verbringt Laurenz viel Zeit im Garten und bei Freunden. "Zusammen mit meinem Großcousin Hannes möchte ich noch das Playmobilland besuchen. Freiwillig und gerne unterstütze ich auch meine Eltern im Café Heldrich, vor allem an der Edelsfelder Kirwa, die Anfang September stattfindet."
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