Urteilsspruch beantwortet aber nicht alle Fragen
Ex-Pfleger droht lebenslange Haft

Im Krankenhaus gehört der Tod zum Alltag. Viele Patienten mit schweren Krankheiten und Verletzungen haben Angst zu sterben. Doch sie vertrauen darauf, dass die Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger alles dafür tun, damit sie wieder gesund werden. Undenkbar, dass einer von ihnen sie umbringen könnte. Am Klinikum Delmenhorst ist jedoch genau das geschehen.

Ein Pfleger soll Patienten dort über Jahre zu Tode gespritzt haben. Am Donnerstag könnten die Richter ein Urteil in dem Mordprozess verkünden. Dass dem 38-Jährigen lebenslange Haft droht, gilt als sicher. Ein Schlussstrich bedeutet das jedoch noch lange nicht. Angeklagt ist der frühere Krankenpfleger wegen dreifachen Mordes und zweifachen Mordversuchs. Doch das könnte nur die Spitze des Eisbergs sein: 90 Taten hat der Angeklagte im Prozess gestanden, bis zu 30 Patienten sollen gestorben sein. Die Polizei überprüft zurzeit sogar mehr als 200 Verdachtsfälle - auch an früheren Arbeitsstellen des Mannes.

Damit könnte es sich laut Experten für Patiententötungen um die größte Mordserie an einem Krankenhaus in Deutschland handeln. Im Sommer 2005 ertappt ihn schließlich eine Krankenschwester auf frischer Tat. Die Staatsanwaltschaft klagt den Mann wegen Mordversuchs an - in einem Fall. Obwohl es konkrete Hinweise gibt, dass er deutlich mehr Patienten getötet haben könnte, lässt sie nicht weiterermitteln.

Die Oldenburger Staatsanwaltschaft spricht inzwischen von Ermittlungspannen. Die Osnabrücker Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die früheren Oldenburger Kollegen wegen des Verdachts der Strafvereitlung im Amt. Heute werden die Familien der Opfer voraussichtlich ein letztes Mal dem Mann gegenüber sitzen. Nach den Plädoyers will die Kammer ein Urteil sprechen. Verurteilen kann sie den Ex-Pfleger allerdings nur für die fünf angeklagten Taten. "Ich gehe davon aus, dass wir uns in weiteren Verfahren sehen werden", sagte Vorsitzender Richter Sebastian Bührmann zum Angeklagten.
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