Urzeitmenschen am Fußballplatz

"I bin a Keferinger Moidl. Mia g'fallt's dou und i wüll a niad weg." So urig gefärbt und einfach war die Antwort einer jungen Einwohnerin auf die Frage, warum sie an einer historischen Wanderung um ihren Ort teilnahm. Sie war nicht die einzige. Im Gegenteil gingen viele Geschichtsinteressierte mit, der Zuspruch war enorm.

(brü) Ortsheimatpfleger Josef Schmaußer leitete diese Wanderung des Heimat- und Kulturvereins Köfering und freute sich zusammen mit Vorsitzendem Sepp Vogl über die starke Beteiligung von Jung und Alt. An der ersten Station, dem Hochbehälter südlich von Köfering, erläuterte Schmaußer den Wasserreichtum des Ortes. Großgemeinden und Städte sind nach seinen Worten erst nach dem Zweiten Weltkrieg ans Wassernetz angeschlossen worden. Köfering hatte schon ab 1902 Wasser aus Bittenbrunn - und zwar bis etwa 1950 -, bekam jedoch nur das "letzte" Drittel, das über Zant, Garsdorf und Waldhaus floss.

"Eine Meisterleistung"

Bei dieser Strecke hatte die Leitung seinerzeit ein Gefälle von 65 Metern, so dass laut Schmaußer "durchaus von einer Meisterleistung zu sprechen ist". Der Hochbehälter wurde nach seiner Auskunft bepflanzt, um ihn vor Sonneneinstrahlung zu schützen.

Einige Köferinger konnten sich noch an Zeiten erinnern, als er komplett mit Erde bedeckt war. Spielende Kindergenerationen trugen wohl auch zum heutigen Aussehen bei. Kreisbrandinspektor Hubert Blödt erläuterte die Nutzung des Behälters als Unterstützung im Brandfall für die Feuerwehren. Anfang der 80er Jahre sei der Vorrat bei einem Großbrand in Köfering eine enorme Hilfe gewesen.

Beim zweiten Ziel, dem Drei-Sessel-Felsen, bedauerten die Besucher, dass die Formation im Oberpfälzer Jura ziemlich zugewachsen ist, da diese Gebiete nicht mehr bewirtschaftet werden.

Einst Steinzeitleute im Tal

Um zu zeigen, wie das aussehen könnte, präsentierte Schmaußer ein Bild des Haager Viadukts von 1962. Der Kuhfelsen sei im Vergleich dazu heute sehr verwachsen, weil die Hänge des Jura eben nicht mehr benutzt werden.

Auf Höhe des alten Fußballplatzes im Köferinger Tal vermutete der Ortsheimatpfleger ein Abri, einen felsigen Unterstand, der bereits Steinzeitmenschen beherbergt haben könnte. Seine Schutzfunktion sei wie die übrige Umgebung ideal gewesen, zumal es hier damals wohl noch einen Flusslauf gab.

Sepp Vogl merkte schmunzelnd an, dass Köfering so gesehen nicht sein 650-Jähriges feiern könne, sondern "getrost noch ein paar tausend Jahre drauflegen darf".
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