Vatikan: Keine Forderungen an Tebartz-van Elst - Entscheidung kritisiert
"Causa Limburg" geschlossen

Die Botschaft lautet: Ein Bischof kann das Kirchenrecht brechen, ohne sanktioniert zu werden.
Eineinhalb Jahre nach der Abberufung von Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst schließt der Vatikan ein weiteres Kapitel der "Causa Limburg". Die Kostenexplosion beim Bau der neuen Bischofsresidenz hat kein kirchenrechtliches Verfahren zur Folge, so die am Mittwoch bekanntgewordene Entscheidung.

Damit drohen Tebartz-van Elst auch keine Schadenersatzforderungen seines früheren Bistums mehr. Diese Frage stand seit Monaten im Raum und der Krisenbewältigung im Weg. Die Limburger sind nun zwar einen Schritt weiter - hadern aber auch mit dem Basta aus Rom.

"Die Entscheidung finde ich ausgesprochen schwierig", sagt der Frankfurter Pfarrer Werner Otto. Auch viele andere im Bistum hätten sich eine andere Antwort gewünscht. Wenn in der Privatwirtschaft jemand fahrlässig oder vorsätzlich in einem Unternehmen einen Vermögensschaden anrichte, würde man diesen doch auch in Haftung nehmen. "Bei einem Bischof ist das offenbar nicht der Fall", sagte Otto, der auch Mitglied im Priesterrat des Bistums ist. "Das ist problematisch für die Glaubwürdigkeit der Kirche."

Doch Rom hielt weder die "Prüfung von Schadenersatzleistungen" noch die "Eröffnung eines entsprechenden kanonischen Verfahrens" für angebracht. So heißt es in der Mitteilung der Limburger Diözese, die darin vermied, den Namen ihres früheren Bischofs zu nennen.

"Die Botschaft an das Bistum Limburg lautet: Ein Bischof kann das Kirchenrecht brechen, ohne sanktioniert zu werden", meint der Kirchenrechtler Thomas Schüller, der schon in der Vergangenheit den Limburger Fall kritisch begleitet hat. "Unbedingtes Verzeihen hat Vorrang vor dem Gebot der Gerechtigkeit. Das stellt auch die Glaubwürdigkeit des Papstes infrage."
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