"Verbundpromotion" soll den Weg zum Doktortitel erleichtern - "Strahlkraft weit über Bayern ...
Spaenles "Dr. FH" macht Opposition glücklich

Die bayerische Staatsregierung erleichtert Absolventen von Fachhochschulen (FH) den Weg zum Doktortitel. Bereits vom nächsten Jahr an sollen die Fachhochschulen gemeinsam mit den Universitäten Promotionen anbieten können. Dabei sollen FH- und Uni-Professoren die Doktoranden gemeinsam betreuen, wie Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle (CSU) am Mittwoch im Landtag in München sagte. Die Universität behält formell das alleinige Vergaberecht für den Doktortitel, doch sollen auf den Urkunden die Namen beider beteiligter Hochschulen stehen.

Mit der "Verbundpromotion" will Spaenle den seit Jahrzehnten schwelenden Streit zwischen Fachhochschulen und Universitäten um das Promotionsrecht schlichten. Der Minister hofft, damit ein Vorzeigemodell für ganz Deutschland geschaffen zu haben: "Die Verbundpromotion wird weit über Bayern hinaus Strahlkraft entfalten."

Spaenles Bericht stieß im Wissenschaftsausschuss auf fast ungeteilten Beifall der Opposition - ein recht seltenes Erlebnis für den Minister. "Ich finde, dass das ein großartiges Ergebnis ist", sagte SPD-Hochschulexpertin Isabell Zacharias. Die Lösung war von Universitäten und Fachhochschulen gemeinsam erarbeitet worden. Viele Uni-Professoren hüteten bislang das Privileg, den Doktortitel vergeben zu können, FH-Professoren hingegen waren enttäuscht, weil ihre Hochschulen damit als akademische Institutionen zweiter Klasse dastanden. Der Weg sei nicht einfach gewesen, sagte Augsburgs Uni-Präsidentin Sabine Doering-Manteuffel als Sprecherin der bayerischen Universitäten. "Immer wenn's um Heiratspolitik geht, muss die Mitgift ausverhandelt werden."

Der Beifall der Opposition bedeutet allerdings nicht, dass SPD, Grüne und Freie Wähler (FW) keinen Verbesserungsbedarf sehen. Denn FH-Professoren haben einen weit geringeren Etat als Lehrstuhlinhaber an einer Universität. "Ich sehe die Notwendigkeit, das mit zusätzlichen Mitteln zu unterstützen", sagte dazu der Ausschussvorsitzende Michael Piazolo (FW).
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