Vermutlich ohne Jury

"Aufhören? Das hätte Malcolm nicht gewollt", verriet Gitarrist Angus Young dem Reporter des Wochenmagazins "Stern". "Er hat ja auch weitergemacht, bis es nicht mehr ging. Genau dafür steht unsere Gruppe: Weitermachen bis zum bitteren Ende."

Zumindest unter persönlichem Aspekt läuft es in der letzten Zeit mies für die Heavy Rock-Institution AC/DC: Nicht genug damit, dass Gründungsmitglied Malcolm Young, gerade mal 61, schon vor einigen Jahren an Demenz erkrankt ist und daher seine Bandkumpane, allen voran der zwei Jahre jüngere Bruder Angus, im September schweren Herzens bekannt geben mussten, dass jenes Gründungsmitglied sich komplett aus der 1973 ins Leben gerufenen Formation zurückziehen würde. Auch der Schlagzeuger des Quintetts sorgt seit mehreren Wochen für nicht gerade aufbauende Schlagzeilen



Der Prozess gegen Phil Rudd (so der Name des Mannes hinter der Schießbude) wegen der Androhung von Mord an zwei bis dato der Öffentlichkeit unbekannten Personen sowie des Besitzes von Cannabis und Amphetaminen wird laut "The New Zealand Herald" vermutlich ohne Jury durchgeführt. Das legte Richter Tom Ingram beim zweiten Gerichtstermin am 2. Dezember nahe. Bei diesem Termin war der AC/DC-Schlagzeuger nicht anwesend. Rudds Anwalt hatte während dessen den Verhandlungstermin letzte Woche im Tauranga District Court in Neuseeland dazu genutzt, im Namen seines Mandanten auf "nicht schuldig" zu plädieren.

Die Details der Morddrohung sollen laut Richter Ingram unter Verschluss bleiben, ebenso die Identität der drei angeblichen Zeugen für die Morddrohungen. Die nächste Station im Prozess gegen den 60-jährigen Drummer ist demnach eine Fallprüfung am 10. Februar des kommenden Jahres. Ein weiterer Grund, den Prozess ohne Jury fortzusetzen, könnte möglicherweise Befangenheit wegen der hohen Bekanntheit des AC/DC-Mitstreiters sein, der am 26. November damit irritierte, als er zum ersten offiziellen Gerichtstermin zu spät erschien, während des Prozesses auf der Anklagebank wirr vor sich hin trommelte, um sich anschließend von einem Bodyguard zu seinem Sportwagen tragen zu lassen, mit welchem er beim Verlassen des Gerichtsparkplatzes beinahe einen Unfall verursacht hätte.

Ja, unter persönlichem Aspekt läuft es aktuell nicht gut für AC/DC, das Quintett, das in den gut 40 Jahren seines Bestehens weltweit mehr als 200 Millionen Tonträger verkauft hat. Doch bei aller Missgunst des Schicksals haben die Recken um Angus Young, dem Lead-Gitarristen und letzten verbliebenen Initiator der Heavy Rock-Institution, unbeirrt das getan, was sie am besten können und was Millionen treuer Fans von ihnen erwarteten - ein neues Album aufgenommen, das 15. Studio-Werk namens "Rock Or Bust" (Sony).

Fettes Gitarren-Riff

Bereits nach dem allerersten Ton der Scheibe ist klar, wer für die Scheibe verantwortlich zeichnet, warum AC/DC zu den ganz Großen in ihrer Branche gehören. Ein einziges fettes Gitarren-Riff genügt, unverkennbar und unverwüstlich, um unserem Planeten klar zu machen, dass AC/DC nicht tot sind, dass die Devise "Rock Forever!" auf ewig gilt.

"Wir laufen uns gerade wieder warm", verkündete Angus Young jüngst dem Magazin "Stern". "Zwar sitzt mein großer Bruder inzwischen in einem Pflegeheim in Sydney", fügte er offensichtlich betreten hinzu, "und er weiß nicht mehr allzu viel darüber, wofür unsere Band steht. Aber was wir für ihn tun können ist rausgehen und unseren Spaß haben. Das sind wir ihm schuldig und steht außer Frage."

Und weil das so ist, rollt die weltweite AC/DC-Tourmaschinerie zu Beginn des nächsten Jahres einmal mehr an, mit einem kraftvollen, wie stets unbestechlich-aufrichtigem neuem Werk im Reisegepäck, das ohne jegliche Schnörkel auskommt und keine Gefangenen macht. Rhythmus-Gitarrist Malcolm Young wird während der Konzertreise definitiv nicht auf der Bühne stehen, stattdessen wird er ersetzt, wie schon auf dem aktuellen Album, durch seinen nicht minder talentierten Neffen Stevie Young. Ob Phil Rudd die Trommelfelle bearbeiten wird, ist derzeit unklar, allerdings eher unwahrscheinlich.

Nach dem Ausscheiden von Mastermind Malcolm kam von vielen Seiten - auch vonseiten der Fans - der Vorschlag, die Band möge sich pietätvoll auflösen. Schließlich gäbe es für sie nichts mehr zu beweisen. Aufgeben jedoch ist ein Terminus, der im Vokabular von AC/DC nicht vorkommt.

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