Versöhnliche Töne

70 Jahre nach Kriegsende und dem Beginn der Vertreibung wollen die Sudetendeutschen die "Partnerschaft mit dem tschechischen Volk" weiter vertiefen. Es sind versöhnliche Töne von Bernd Posselt vor dem heute beginnenden 66. Sudetendeutschen Tag in Augsburg.

"Wir befinden uns auf einem guten Weg in den Beziehungen zur tschechischen Republik", sagte Posselt, Sprecher der Volksgruppe. Er würdigte die vermehrten Gesten der Versöhnung aus Tschechien und die verstärkten Bemühungen, die Vertreibungsgeschichte aufzuarbeiten. Es sei in Tschechien ein "Umbruch im Gange, der erfreulich ist". Erstmals werde es auf einem Sudetendeutschen Tag auch ein "direktes Signal aus der tschechischen Regierung" geben, so Posselt. Einzelheiten nannte er nicht.

Posselt betonte, dass auch die Sudetendeutsche Landsmannschaft (SL) eine Weiterentwicklung und Modernisierung hinter sich habe. Mit der auf der SL-Bundesversammlung im Februar mit großer Mehrheit verabschiedeten Grundsatzerklärung habe man die überwiegend in den 1950er-Jahren formulierten Programmsätze ins 21. Jahrhundert übertragen. "Wir wollen die wahrheitsgemäße Dokumentation unserer schwierigen Geschichte und führen den Kampf gegen das Unrecht, wo es weiterbesteht", erklärte Posselt. Die SL habe nie territoriale Ansprüche vertreten, das Recht auf Heimat und die Liebe zur Heimat werde man aber nie aufgeben. Posselt grenzte sich klar von "Krawallmachern am rechten Rand" unter den Sudetendeutschen ab. "Da verstehe ich keinen Spaß", so Posselt. "Mir liegt daran, dass der Prozess der Aussöhnung mit Tschechien nicht durch Misstöne auf der einen oder der anderen Seite gestört wird."

Der Sudetendeutsche Tag ist mit einem Internationalen Menschenrechtskongress zur Ächtung von Vertreibungen verbunden. Nie habe es so viele Vertreibungen auf der Welt gegeben wie derzeit, so Posselt. Er erinnerte an das aktuelle Schicksal der Krim-Tartaren oder der Jessiden im Irak und in Syrien. "Wir als Erben der brutalsten Vertreibung der Geschichte stehen denen bei, die heute betroffen sind", sagte Posselt. Der diesjährige Karlspreis der Sudetendeutschen geht an den österreichischen Diplomaten Valentin Inzko. Der Sudetendeutsche Tag 2016 in Nürnberg soll laut Posselt ein "grenzüberschreitendes Ereignis" werden.
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