Versöhnliches beim Zoiglbier

"Es gibt überall Schätze zu heben." BR-Intendant Ulrich Wilhelm (rechts) genoss die unverwechselbare Zoiglkultur mit Regierungspräsident Axel Bartelt, Norbert Neugirg, Oberbürgermeister Kurt Seggewiß, Dr. Michael Braun und Manfred Punzmann (von links). Bild: Fütterer

"Der Fernsehbeitrag war ein Schuss ins Knie." Norbert Neugirg, für seinen scharfen Wortwitz geliebt (und gefürchtet), kennt auch gegenüber dem Intendanten des Bayerischen Rundfunks keine Furcht. Ulrich Wilhelm verspricht: "Wir können noch besser werden."

Windischeschenbach. Unvergessen ist der Fernseh-Vierteiler "Schöne Oberpfalz", der in seiner Folge über die Nordoberpfalz alle Klischees bediente: "raues Klima, karge Landschaft, Erdäpfelpfalz". Der BR-Beitrag vom Januar wurmt zahlreiche Oberpfälzer bis heute.

Weil nichts über den persönlichen Eindruck geht, kam Intendant Wilhelm am Montag auf Einladung von Regierungspräsident Axel Bartelt in die nördliche Oberpfalz. Die beiden Duzfreunde kennen sich aus der gemeinsamen Zeit beim bayerischen Innenministerium.

"Wir schauen nach vorne"

Nach dem Besuch der Vorzeigefirmen Hamm AG (Tirschenreuth) und Cube (Waldershof) endete die Bereisung bei Zoiglbier und Brotzeit im historischen Schafferhof in Neuhaus. Zum inoffiziellen Sprecher der Heimat erkoren der Tirschenreuther Landrat Wolfgang Lippert, sein Amtskollege Willibald Gailler (Neumarkt) sowie der Weidener Oberbürgermeister Kurt Seggewiß den Kommandanten der Altneihauser Feuerwehr. Norbert Neugirg kritisierte gegenüber Wilhelm vor allem, dass der oberbayerische Autor des Filmbeitrags vorher keine Insider-Tipps eingeholt hatte. "Wir selber müssen die Themen so anbieten, dass sie interessant sind," klopfte Neugirg durchaus an die eigene Brust. "Der Film hat weh getan, aber wir schauen nach vorne", bekannte Seggewiß versöhnlich. "Wir haben die Kritik aus der Nordoberpfalz sehr ernst genommen. Der Rundfunkrat hat sich damit beschäftigt", sagte Wilhelm, doch er sei nicht wegen des Films hierher gekommen.

Als Intendant könne er sich nicht mit jeder Sendung befassen, gleichwohl räumte er in der Folge über die Nordoberpfalz eine "gewisse Auffächerung" ein, die "Akzentuierung" sei nicht immer treffend gewesen.

Keine "Werbefilme"

Auf der anderen Seite habe es auch viel Lob für den Vierteiler gegeben. Wilhelm erinnerte an den journalistischen Auftrag, "nicht Werbefilme zu machen". Er unterstrich das "positive Selbstbild". "Gerade die Menschen in der Oberpfalz können stolz auf ihre Leistungen sein. Dies können sie ruhig noch mehr als bisher zeigen."

Ulrich Wilhelm, einst fünf Jahre lang Sprecher der Bundesregierung unter Angela Merkel, entspannte dieses heikle Thema mit freundlicher Diplomatie. Er versprach "noch mehr Sendeplatz aus allen Landesteilen". Unter dem Motto "aus den Regionen für ganz Bayern" sollen "leistungsfähige Korrespondenten-Büros" auch im Fernsehen für "noch mehr Nähe" sorgen. Im Zuge dieser Regionalisierung verdoppelt sich z. B. die Sendezeit der "Rundschau".

Zur Entspannung trug die lässige Zoiglkultur bei, die Intendant Wilhelm bei einem Abstecher ins Kommunbrauhaus kennenlernte. Thomas Witt (Bahler) setzte gerade den Sud an und Zoiglwirt Manfred Punzmann (Schoilmichl-Mane) stieß zu der illustren Runde, der auch BR-Studioleiter Gerhard Schiechel und Dr. Michael Braun vom Tourismusverband Ostbayern angehörten. Wilhelm lobte die sympathischen Menschen und den Zoigl als schöne Tradition, "aber man unterschätzt, wie stark er ist ..."
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