Versorgung der "Frühchen" kostet viel Geld
Auch Kassen zur Kasse bitten

1:1. Hier stimmt das Verhältnis. Auf ein Frühchen kommt eine Pflegekraft (Schwester Michaela). Bild: Götz
Weiden. (vok) 17 sogenannte "Frühchen" mit einem Gewicht unter 1250 Gramm sind im vergangenen Jahr im Klinikum geboren worden. Keines musste sterben. Dank der ausgezeichneten medizinischen Versorgung im Perinatalzentrum. Diese wird noch besser. Aber dafür zahlen will keiner.

Üblicherweise haben neugeborene Kinder ein Gewicht zwischen sechs und sieben Pfund, wenn sie nach neun Monaten das Licht der Welt erblicken. Doch manche wollen nicht so lange warten. Sie drängt es mit aller Macht aus dem Leib der Mutter. Diese "Frühchen", die weniger als 1250 Gramm wiegen, werden im Perinatalzentrum (PNZ) bestens versorgt. Doch das hat dem gemeinsamen Bundesausschuss, dem unter anderem Vertreter der Krankenhäuser, Krankenkassen und der niedergelassenen Ärzte/Zahnärzte angehören, nicht gereicht. Deshalb wurden die Anforderungen an solche Zentren, um das höchste Level zu erreichen, noch höher geschraubt. Das kostet viel Geld.

Josef Götz, der Vorstand der Kliniken Nordoberpfalz AG, die zusammen mit Amberg ein Perinatalzentrum bildet, verweist auf Mehrkosten pro Standort von 1,2 Millionen Euro. Grundsätzlich begrüßt er die Qualitätsverbesserung bei der Versorgung der Frühgeborenen. "Das ist höchstes Niveau." Es stört ihn aber sehr, wenn die Krankenhäuser auf den Mehrkosten sitzenbleiben sollen.

Unfaires Verhalten

Götz nimmt die Krankenkassen ins Visier. Diese würden einerseits die Ansprüche nach oben schrauben, sich aber andererseits nicht in der Lage sehen, die Kosten zu finanzieren. "Das ist unfair." Die Krankenhäuser müssten mal wieder in Vorleistung gehen, schimpfte er.

Obwohl es Übergangsfristen bis 31. Dezember 2016 gibt, hat das Klinikum die neuen Voraussetzungen für ein den höchsten Ansprüchen genügendes Perinatalzentrum schon weitgehend erfüllt. So sind ein Kinderkardiologe und ein Kinderchirurg innerhalb einer Stunde greifbar. Ein Perinatalmediziner, der für die Geburt zuständig ist, und ein Neonatologe, der danach die Versorgung übernimmt, müssen innerhalb von 30 Minuten vor Ort sein.

Schließlich wird eine 1:1-Konstellation gefordert. Pro Frühchen muss eine spezial ausgebildete Pflegekraft anwesend sein. Hier muss noch nachgebessert werden. Zehn Kräfte werden gebraucht, fünf sind bereits vorhanden. Götz machte gegenüber dem "Neuen Tag" noch einmal deutlich, wie wichtig es sei, das Perinatalzentrum Weiden/Amberg in der Region zu halten. Menschliche Zuwendung, der soziale Kontakt, sei für die "Frühchen" ganz besonders wichtig. Ständige Fahrten nach Regensburg oder Nürnberg würden für die Eltern eine enorme Belastung bedeuten.
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