Vertrauliche und anonyme Geburt
Hintergrund

Die erste Babyklappe Deutschlands feiert ein kleines Jubiläum: Vor 15 Jahren wurde sie in Hamburg eröffnet. In der Oberpfalz gibt es seit 2001 eine solche Einrichtung im Regensburger Klinikum St. Hedwig. Das Thema erlangt dieser Tage eine traurige Aktualität: Das tote Baby im Abfallcontainer eines Supermarktes in Neustadt/Waldnaab macht bewusst, wie wichtig solche Einrichtungen sind. Aber auch sie können ihren Zweck nur erfüllen, wenn Frauen in verzweifelten Lagen wissen, wo es sie gibt - und dass Alternativen bestehen.

"Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass es einen Bedarf für eine Babyklappe gibt", erklärt Jörg Kunz vom Krankenhaus Barmherzige Brüder. "Mütter, die sich in einer Notsituation befinden, nutzen sie." Neun Babys wurden bisher abgegeben. Die Klappe sieht aus wie ein Fenster an der Klinikfassade, das von außen geöffnet werden kann. Dahinter steht ein Wärmebettchen, in das das Kind gelegt werden kann. Dabei wird ein verzögertes Signal auf der Intensivstation ausgelöst.

Das Kind wird von einer Krankenschwester in Empfang genommen und von einem Kinderarzt untersucht. "Anschließend werden das Rechtsamt und das Jugendamt von uns informiert. Meist können sehr schnell Pflegeeltern oder Adoptiveltern gefunden werden", sagt Kunz.

Seit dem 1. Mai 2014 besteht für Frauen die Möglichkeit einer vertraulichen Geburt. Sie ist gesetzlich geregelt und stellt eine Alternative zur Babyklappe und der bislang angebotenen "anonymen Geburt" dar. Bei einer vertraulichen Geburt werden die Daten der Mutter aufgenommen und aufbewahrt. Nach 16 Jahren kann das Kind diese erfahren.

Bei der anonymen Geburt werden keine Kontaktdaten aufgenommen. Sie ist nicht gesetzlich geregelt. "Die anonyme Geburt wird - auch vom Justizministerium - zwar geduldet, aber wir hoffen auf eine gesetzliche Absicherung", betont Forst. (jrh/juh)
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