Verwegene Bande

Es war ein obskurer Haufen höchst-talentierter Chaoten, die sich in den Jahren 1986 und 1987 immer wieder zusammenfanden, sofern es ihre Hauptprojekte zuließen, um miteinander Musik zu machen und diese aufzunehmen.

Ein Haufen Chaoten aus dem kreativen Untergrund, deren Lieder höchstens in den Independent-Hitparaden auftauchten, da ihr Sound viel zu sperrig und verwegen für den Mainstream war. Als wir da hätten: Nikki Sudden (u. a. Swell Maps), Epic Soundtracks (u. a. Crime & The City Solution), Rowland S. Howard (u. a. Birthday Party samt Nick Cave als Frontmann), Jeffrey Lee Pierce (u. a. Gun Club).



Und schließlich noch Jeremy Gluck - der Bursche, der jenen wilden Laden zusammenhielt, damit er eine kreative Vision realisieren konnte. Der Mann aus Kalifornien, der Ende der 1970er mit gerade mal 20 nach London gekommen war, hatte Rohskizzen für ein Album namens "I Knew Buffalo Bill" konzipiert. Nun brauchte er willige, fähige Kompagnons, die ihm halfen, seine Ideen auszuschmücken. Nach und nach stieß er auf seine verwegene Bande.

"Ehe ich mich intensiv mit der ,Buffalo'-Sache beschäftigte, hatte ich einer Formation namens Barracudas vorgestanden", erinnert sich der heute 56-jährige Gluck. "Wir hatten in alternativen Kreisen einen recht guten Ruf, doch irgendwie ging es nicht recht voran. Also machte ich mich auf die Suche nach Vertrauten, die mich und meine Musik weiterbrachten. Wir in der Indie-Szene im London Mitte der 1980er kannten uns ziemlich alle untereinander. Es war nur eine Frage der Zeit, bis der richtige Trupp vereint war."

Unter diesen ungewöhnlichen Umständen kam ein ebenso ungewöhnliches Werk zustande, das von den Fachmedien als die Arbeit der ersten "Kult-Supergroup" definiert wurde. Auch der Name "Alternative Country-Punk" fiel, weit ehe Mitte der 1990er die "Americana"-Welle um Bands wie Green On Red oder Wilco diesen Sound salonfähig und Massen-kompatibel machten. "Es war bestimmt die kreativste und künstlerisch spontanste Ära meines Lebens", schwärmt Gluck nach wie vor, "gleichzeitig war es für mich als Vater von drei kleinen Kindern nicht einfach, dem wüsten musikalischen Treiben Kontur zu verleihen, während ich mit diesen super-genialen Verrückten im Studio zu Gange war. Das zu organisieren erwies sich als äußerst vertrackt. Irgendwann ließ ich die Sache einfach laufen."

Heraus gekommen ist ein spannendes Stück Musik, das in Insider-Kreisen bis heute verehrt wird. Danach zerstoben sich die Wege der glorreichen "Buffalo"-Kämpen in alle Winde, denn - so Gluck - "ein verrücktes Projekt wie jenes darf man im Leben nur einmal machen".

Im Team mit Coyne

Nun ja, nicht ganz: Nachdem sich Jeremy neben der Aufzucht der Kinder um eine neue Band namens Semi-Truth kümmerte, außerdem um seine Karriere als Autor und Drehbuchschreiber, traf er eines Tages in London auf einen eher scheuen, dafür umso talentierteren Musiker namens Robert Coyne. Gluck hatte die Barracudas wieder aufleben lassen und Coyne wurde deren Bassist. Gluck, der ewige Indie-Heroe, und Coyne, Sohn des legendären, vor zehn Jahren in seiner Wahlheimat Nürnberg verstorbenen Indie-Sängers und -Malers Kevin Coyne, hatten sich auf Anhieb miteinander verstanden. "Neben der Tatsache, dass der Mann ein liebenswerter Mensch ist, schätze ich seinen musikalischen Anspruch, der im Minimalistischen verankert ist", begeistert sich Gluck über den Sänger, Multiinstrumentalisten und Texter.

Gluck und Coyne machten relativ regelmäßig miteinander Musik, als den beiden im vergangenen Jahr die Idee durch die Köpfe schoss, ob man nicht den legendären Buffalo Bill in neuer musikalischer Form wiederaufleben lassen sollte. Gesagt, getan: "Robert und ich wollten in die kreativen Fußstapfen der 1987 veröffentlichten Kult-Scheibe treten", freut Gluck sich diebisch. "Übrigens weniger musikalisch, als vielmehr durch die Herangehensweise - auch dieses Mal ist alles wieder sehr intim, sehr eigenartig, sehr spontan. Doch während der erste Teil eher ruppige Nachtmusik á la Suicide oder Velvet Underground ist, sind wir dieses Mal in ruhigeren Gestaden, man fühlt sich an die Walkabouts oder Go-Betweens erinnert."

In Eigenregie

Gluck und Coyne komponierten sämtliche 14 Stücke in Eigenregie, irgendwann kam der renommierte Nürnberger Schlagzeuger Werner Steinhauser dazu, der einen ähnlich präzisen Beat wie der legendäre Can-Drummer Jaki Liebezeit pflegt. Steinhauser kennt Coyne seit vielen Jahren, schließlich hatte der Mittelfranke bereits für Papa Kevin die Felle bearbeitet. Heraus gekommen ist ein sehr persönliches, atmosphärisches, eigenes Werk. "Mal schauen, was damit passiert", feixt Gluck, "vielleicht schaffe ich es auf meine alten Tage ja doch noch, dem Indie-Dunstkreis zu entfliehen und ein echter Superstar zu werden ...?"

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.facebook.com/JeremyGluckSolo http://www.facebook.com/robert.coyne.1884
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