Videoüberwachung in Amberg
Hallo, Kamera, hier unten!

Symbolbild: dpa
Amberg. (roa) Ein Mann will auf einer öffentlichen Toilette das Urinal benutzen. Er sieht nach oben und erschrickt: Da hängt doch eine Video-Kamera. Ganz wohl ist ihm bei der Sache nicht. Wird er jetzt direkt beim Pinkeln gefilmt? Oder ist das Gerät nur zur Abschreckung gedacht?

Der 30-jährige Amberger findet, egal ob Attrappe oder nicht: "Das ist eine Riesensauerei." Wird die Männertoilette des Busbahnhofs videoüberwacht? Zumindest erweckt ein an der Decke angebrachtes Gerät den Anschein. Draußen geben Tafeln auch entsprechende allgemeine Warn-Hinweise. Die hat der 30-Jährige aber gar nicht gesehen. Und überhaupt: Direkt über dem Urinal? Ist das überhaupt erlaubt?

Der für das Gebäude zuständige Geschäftsführer des Zweckverbands Nahverkehr Amberg-Sulzbach konnte bis Redaktionsschluss urlaubsbedingt dazu keine Auskunft erteilen. Ganz allgemein spricht Peter Meier vom Landesamt für Datenschutzaufsicht aus Ansbach: "Eine Attrappe kann auch nur dort eingesetzt werden, wo auch eine echte Kamera aufnehmen dürfte. Also beispielsweise im Vorraum, aber nicht im Toilettenbereich." Schließlich sehe es man einer Attrappe nicht an, ob sie echt sei oder nicht. Man könnte sich dadurch in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt fühlen.

Überwachung in Eisdiele

600 Meter weiter westlich in der Altstadt betreibt die Familie Cettolin das Eiscafé Firenze. Auch hier ist das schwarze Auge ein ständiger Begleiter. Der Café-Bereich wird mit Hilfe einer Kamera gefilmt. "Wenn ich könnte", sagt Tochter Nadine und wirft die Arme nach oben, "würde ich die ganze Altstadt per Video überwachen lassen". Warum? "Vandalismus", sagt sie und redet sich in Rage, "die Leute kennen keine Grenzen mehr". Es würde in Türschlösser gepinkelt, Fassaden beschmiert, Bänke zerstört. Zurück in ihrem Café zeigt sie auf die marmornen Tischplatten, in die eigentlich Nummern eingelassen sind. Einige wurden in zerstörerischer Wut herausgekratzt. Zerrissene Speisekarten, geklaute Bilder oder Kleiderbügel, demolierte Handlüfter in der Toilette, hygienische Verfehlungen - die Liste der Verärgerungen bei den Cettolins ist lang. Den Vogel schoss allerdings ein Lieferant ab, der mit einer Ladung in ein Regal stieß, so dass viele Gläser zu Bruch gingen, und er es erst abstritt. "Für so etwas ist unsere Kamera da", erklärt Nadine Cettolin, "wir werden nicht einer verheirateten Frau Auskunft darüber geben, ob sich ihr Mann zum Eisessen mit einer anderen trifft".

Ihren Angaben nach wurde das Gerät auch vom Landesamt für Datenschutzaufsicht genehmigt. Daran waren Bedingungen geknüpft, zum Beispiel, dass kein Ton aufgenommen werde und die Bilder nicht verwertbar seien. Dritten dürfen die Cettolins die Videos ohnehin nicht zeigen und sie löschen das Material auch nach einem Tag wieder. Beschwerden nehmen sie gelassen hin. "Wenn jeder Mensch ehrlich wäre, bräuchte ich die Kamera nicht", sagt Nadine Cettolin und zitiert ein Sprichwort: "Deine Freiheit endet da, wo meine anfängt."

Badbesucher nie beschwert

450 Meter weiter westlich, im Kurfürstenbad, werden Badegäste und Saunabesucher von insgesamt vier Kameras an den Drehkreuzen oder vor den Umkleiden gefilmt - und haben sich noch nie beschwert. Zehn Tage lang bleibt das Material gespeichert und wird danach automatisch vernichtet. Darüber informiert Stadtwerke-Pressesprecherin Karoline Gajeck-Scheuck. "Die Videoüberwachung haben wir auf Ratschlag und mit Abstimmung der Polizei zum Einsatz gebracht. Sie dient vorrangig der Sicherheit und auch der Diebstahlvorbeugung. Jeder Gast wird durch Schilder und Kennzeichnung der Kameras auf die Überwachung aufmerksam gemacht", sagt sie.

Und die Geräte haben bereits ihren Zweck erfüllt: "Durch die Installation der Kameras konnte die Polizei schon bei der Aufklärung eines Falles unterstützt werden", berichtet Karoline Gajeck-Scheuck.

Der 30-Jährige, der auf der Busbahnhofs-Toilette seine Notdurft verrichten wollte, wechselte, obwohl er nichts zu verbergen hatte, vorsichtshalber doch in eine Kabine. Denn diese Art der Überwachung war ihm dann doch etwas zu schräg.
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